Menarvis Landschaftsarchitektur Basel
Unsere Grünräume

100 Jahre BSLA

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«Z'Basel an mym Rhy, jo, dert möcht i sy…» heisst es stolz im Baslerlied von Johann Peter Hebel (1760-18269). Stolz darf auch der Bund Schweizer Landschaftsarchitekten (BSLA) sein. Die Stadt am Rheinknie empfing den Jubilar mit seinen festfreudigen Mitgliedern zum Zentenarium mit strahlender Herbstsonne, stahlblauem Himmel und einem interessanten wie auch überraschungsvollen Festprogramm.

«Z'Basel an mym Rhy, jo, dert möcht i sy…» heisst es stolz im Baslerlied von Johann Peter Hebel (1760-18269). Stolz darf auch der Bund Schweizer Landschaftsarchitekten (BSLA) sein. Die Stadt am Rheinknie empfing den Jubilar mit seinen festfreudigen Mitgliedern zum Zentenarium mit strahlender Herbstsonne, stahlblauem Himmel und einem interessanten wie auch überraschungsvollen Festprogramm.

Wie die Visionen des BSLA dem Verband seit 1925 seinen Bestrebungen nach Anerkennung und starken Werten erfolgreich den Weg wiesen, war der Rhein für die Teilnehmenden am Tag des Jubiläumsfestes ständiger Begleiter. Die architektonischen Spaziergänge zu vergangenen und zukünftigen Grossprojekten des urbanen Freiraumes führten entlang des Rheinufers und das verwunschene Festlokal direkt am Fusse des Wassers liess die Seelen der Gestaltenden in eine prosperierende grüne Zukunft baumeln. Bis zum Meer ist’s noch weit und die Früchte der Möglichkeiten für viele weitere Meilensteine hängen tief – war der Groove am Hundertjahr-Fest.

Würdigungen am Dreiländereck

Am äussersten Zipfel Basels liegt das Tor nach Zentraleuropa. Dort wo sich Deutschland, Frankreich und die Schweiz den Rhein teilen und die Menschen sich über die Ufer die Hand reichen, wurde im unkonventionellen Eventlokal des Ostquai das Erreichte und das Anzustrebende zelebriert. Patrick Schöck, Co-Präsident des BSLA, unterstrich denn auch in seiner Eröffnungsrede den Wert der Landschaftsarchitektur als stille Infrastruktur und Fundament einer lebenswerten Gesellschaft. Um dieses zu erreichen, müsse Anerkennung immer neu erarbeitet und eingefordert werden. Denn Anerkennung sei kein einmal erreichter Zustand. 

Auch der SIA, die grössere und ältere (gegründet 1837) Schwester des BSLA war anwesend. Suzanne Zenker ehrte in ihrer Rede 100 Jahre Engagement des BSLA für gestaltete und resiliente Landschaft in Stadt und Land. 1925 sei Landschaftsarchitektur noch kein breit anerkanntes Berufsfeld gewesen. Der Verband habe sich aber mit jedem Jahrzehnt weiterentwickelt und sich den neuen Herausforderungen und Themen wie Biodiversität, grüne Infrastruktur, Schwamm-stadt, Klimawandel und Kreislaufwirtschaft gestellt. Mehr denn je sei es deshalb wichtig, dass Landschaftsarchitekt/-innen bereits in den frühen Projektphasen mit am Tisch sitzen. Nur mit einer frühzeitigen, disziplinübergreifenden Arbeitsweise könne man komplexen Aufgaben gerecht werden.

Welche Sympathien unser Berufsstand in der Zwischenzeit auf politischer Ebene erreicht hat, verriet Esther Keller, Regierungsrätin und Vorsteherin des Bau- und Verkehrs-departementes Basel-Stadt in Ihrem Dankeswort. Eine der ersten Fragen bei Projektpräsentationen vor einer Kommission sei immer, ob bei der Erarbeitung ein Landschaftsarchitekturbüro involviert gewesen sei. Wenn die Frage mit einem Ja beantwortet werden könne, entspanne sich die Atmosphäre im Gremium sogleich. Das Qualitätssiegel «Landschaftsarchitektur» sei zum politischen Zauberwort geworden. Sie dankte für kreative Lösungen zu unterschiedlichsten Ansprüchen und dafür, dass wir nicht nur neu- sondern auch weiterbauten.

Ohren spitzen! Eine Anleitung zum Feiern

Wenn Lebensmittel gestaltet, Geschmack entworfen und Speiseräume verwandelt werden, wenn die Lebendigkeit und Vielfalt des Essens und Feierns facettenreich erlebt werden sollen, dann brauchts dafür eine witzig skurrile Anleitung. Im Namen der Gastronautischen Gesellschaft Basel gab die Schauspielerin Sonja Silber, als Hostess verkleidet, mit lustig-fiesem Unterton den Überblick über das Abendprogramm preis. Wer bei den «Potato-Charlies» etwas zu essen bekommen möchte, müsse sich mit den Händen hinter dem Rücken und voller Kraft voraus zwischen die Kartoffel-Jongleure hechten und sich mit offenem Mund eine Kartoffel schnappen! Für eine kulinarische Abenteuer-Fahrt mit dem «Train à Canapé» habe man sich im Salon einzufinden. Reichlich beladen mit mundgerechtem Fingerfood wurden die Genusssuchenden im Slow-Food-Tempo ins Land der Gaumenfreuden entführt. Der Geheimgang, hinter dem schweren Vorhang, sei jedoch nur den Wagemutigen und Furchtlosen vorenthalten. Am Ende des engen und dunklen Tunnels wurden die Unerschrockenen mit einer beruhigenden Bootsfahrt ins Land der traumhaften Abendlichter befördert – die langen Wartezeiten konnte man sich mit Prosecco verköstigen. Für konspirative Gespräche sei die Datscha mit äthiopischem Restaurant im Hinterhof geeignet. Man erreichte dieses am besten nach einer imaginären Fahrt mit Basels grünem Drämmli und einem Ausflug ins Reich der bösen Drinks. Lagerfeuer und Musik inklusive trugen in den frühen Morgenstunden dazu bei, dass man sich das 200-jährige Jubiläum in Bälde herbeisehnte.

Der Geist der Basler Hymne

Blenden wir ein paar Stunden zurück. Als die Jubiläumsveranstaltung nach der Mittagszeit mit einem Vortrag über die aktuellen städtebaulichen Entwicklungen Basels begann und sich mit zwei «promenades architekturales» fortsetze, wurde bald deutlich, welches enorme Potential auch in Zukunft für die grüne Branche in der Region schlummert. Von der einst abgeschotteten Stadt, die erst nach 1850 ihre Stadtmauern schleifte, da sie sich vor zu vielen äusseren Einflüssen schützen wollte, ist durch wirtschaftliche Dynamik und Transformation eine pulsierende Life-Science Stadt und ein Verkehrsknotenpunkt geworden. 

Am Stadtmodell wurden die in Planung und die bewilligten Grossbauprojekte in Holzklötzchen dargestellt und erläutert. Dreispitz Nord, Areal Walkeweg Nord und Volta Nord, Roches Bau 3 mit Solitude-Promenade und Park, BIZ-Campus, Nauentor oder die grossen Arealentwicklungen, Klybeck-Plus, Klybeck-Quai und Klybeck-Westquai mit Umnutzung des Hafen-Areals verraten mit welchen baulichen Dimensionen und Veränderungen in den nächsten Jahren zu rechnen ist. Überall geht es nicht nur darum, mehr Wohnraum zu schaffen, sondern mit Parkanlagen, Esplanaden, Pocket-Parks, Durchgrünungen und Rheinuferpromenaden-Erweiterungen mehr Raum für Erholung und Natur zu schaffen.

Hebels Basler Hymne scheint an Aktualität nichts verloren zu haben. Fürwahr, in Basel am Rhein, da will man sein. Der Basler liebt seinen Rhein, sein mediterranes Flair und dem «Fäärimaa» gebührt die grösste Ehre.

Schlussbouquet BIGNIK

Das Jubiläumsthema «Transformation» befasst sich nicht nur mit der baulichen Umwelt. Der BSLA will mit diesem Leitwort auch eine Veränderung in der Wahrnehmung der Gesellschaft für seine Umgebung einleiten. Zu diesem Zweck hat die Regionalgruppe Nordwestschweiz des BSLA zur Aktion BIGNIK aufgerufen. Dabei sammelten motivierte Menschen aus der Bevölkerung Tücher, nähten sie zusammen und legten sie zu einem riesigen, farbigen Picknick-Tuch aus. 24'000 m2 Basler Stadtlandschaft wurden auf dem Münsterberg verwoben. Kalte Materialien, unterschiedliche Beläge, harte Kanten verschwanden temporär unter der warmen und fliessenden Optik des Stoffes. Mit dem Mega-Tuch sollten alltägliche Denkmuster und die gewohnte räumliche Wahrnehmung aufgebrochen werden, um in Podiumsdiskussionen mit Vertretern der Planung, Politik und Bevölkerung eine Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Freiraumes anzuregen.

Foto: Andrea Grasser

BIGNIK ist seit 2012 ein Langzeitprojekt der St. Galler Konzept- und Aktionskünstler Frank und Patrik Riklin.