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Der Betonpflaster – Moderne versus Funktionalität

|   Technik im Gartenbau

Im Zuge der Architektur-Modernisierung, die sich durch eine stark reduzierte Formensprache ihrer Gebäude auszeichnet, haben viele Elemente im Aussenraum eine Anpassung erfahren. Mit dem Minimalismus, als prägender Architekturstil unserer Zeit, ging die ästhetische Reduktion vieler Materialien im Gartenbau oft zu Lasten bewährter Funktionalität, wie dies am Beispiel des Betonpflasters erkennbar ist.

Im Zuge der Architektur-Modernisierung, die sich durch eine stark reduzierte Formensprache ihrer Gebäude auszeichnet, haben viele Elemente im Aussenraum eine Anpassung erfahren. Mit dem Minimalismus, als prägender Architekturstil unserer Zeit, ging die ästhetische Reduktion vieler Materialien im Gartenbau oft zu Lasten bewährter Funktionalität, wie dies am Beispiel des Betonpflasters erkennbar ist.

Vor- und Nachteile

Die Vorzüge von Pflaster- und Verbundsteinen gegenüber fugenlosen Belägen wie Asphalt liegen auf der Hand. Der grösste Vorteil liegt darin, dass Setzungen problemlos ausnivelliert werden können und bei Arbeiten an unterirdischen Leitungen die Öffnungen im Belag nach der Fertigstellung nicht als Flickwerk erkennbar bleiben. Dem Kunden liegen ergänzend eine weite Palette an verschiedenen Formen, Farben und Verlegemustern vor. Dass Pflastersteine bereits nach kurzer Zeit durch das Einwirken von Scherkräften auseinander driften können, bleibt ein signifikanter Nachteil. Dieser lässt sich jedoch mit  Geschick beheben. 

Modern aber weniger funktional

Der wellenförmige Verbundstein feierte vor Jahrzehnten einen Siegeszug. Er hielt Einzug auf Wegen und Plätzen und viele dieser Flächen sind immer noch einwandfrei. Eine Kombination aus Form, Verlegemuster und der guten alten Bauweise verlieh den Bauwerken eine hohe Stabilität. 

Heute spielt die Formreinheit eine übergeordnete Rolle. Mit einem orthogonalen Betonpflaster lässt sich die Geometrie besser unterstreichen. Durch die Reduktion in eine moderne Form hat der rechtwinklige Pflaster viel von seiner Funktionalität eingebüsst. Durch den Optimierungsdrang nach der preis- wertesten Lösung gehört der 6 cm starke Quadratpflaster ohne Verbundnocken zu den am häufigsten verwendeten Steinen.

Nicht überall geeignet

Seine Popularität verleitet, den Quadratpflaster unkritisch einzusetzen. Da er nur Distanz- und keine Verbundnocken an seinen Stirnseiten aufweist, ist er für gewisse Flächentypen ungeeignet. Er sollte nicht grossflächig für Parkplätze und Zugänge in Tiefgaragen gewählt werden. Scherkräfte können den Belag verzerren. Wurde die Betonpflasterreihe links und rechts einer Rinne nicht einbetoniert, liegt sie im oberen Teil frei (siehe Bild 2) und wird dadurch beschädigt. Ein Rinnenkörper erfüllt seine Belastungs-klasse nur, wenn er von der Sohle bis zur Zarge in starrem Fundament versetzt liegt. Sind letztlich die Ränder bloss mit einem Betonkeil befestigt, franselt die Fläche wie ein Kleidungsstück mit offener Naht immer weiter aus.

Es ist schwierig mit einem Quadratpflaster ohne Verbundnocken langfristig ein exaktes Fugenbild zu erhalten. Das Auge bemerkt bereits kleine Abweichungen. Es ist deshalb nicht empfehlenswert, den beschriebenen Stein für die Überbrückung langer Distanzen einzusetzen (siehe Bild 3). 

Der Quadratpflaster ohne Verbundnocken erfüllt auf kleineren bis mittleren Flächen mit soliden Randabschlüssen seine Aufgabe optimal.

Lösungsvorschläge

Die Produzenten haben bereits vor geraumer Zeit mit alternativen Produkten auf diese Problematik reagiert. Leider werden diese aus „ästhetischen“ oder preislichen Gründen nur zögerlich eingesetzt. Soll eine Fläche befahrbar werden, widerstandsfähig gegen eine Vielzahl von Kräften und langfristig stabil, gilt es, 4 Punkte in der Auswahl und Bauweise zu berücksichtigen:

1. Das Verbundsystem

Verbundsteine, die sich verzahnen geben Stabilität. Der Knochenstein ist eine Variante im ähnlichen Preissegment wie der Quadratpflaster ohne Verbundnocken. Der Schwerlastpflaster ist ein Quadratpflaster mit allseitig vertikalen Verbundnocken. Er ist bereits ab 8 cm Stärke erhältlich, aber zirka 15.--/m2 teurer als ein Stein im günstigsten Preissegment. Dafür verbindet er Funktion und Design hervorragend.

2. Die Kompartimentierung

Trotz gegenseitiger Verkrallung ist es unabdingbar, weite Flächen in Teilflächen zu gliedern. Vor allem Ein- und Ausfahrten sowie Wendepunkte verdienen zusätzliches Augenmerk (siehe Bilder 7, 8, 9).  Kompartimente von maximal 6 x 4 m haben sich bewährt. Als Unterteilung dienen Entwässerungsrinnen und Bänderungen mit Einzeilern oder Stellriemen. Die zusätzlichen Kosten bewegen sich zwischen 45.-- – 80.--/ml je nachdem ob Beton oder Naturstein für die Bänderung (exkl. Rinne) gewählt wird.

3. Die Randabschlüsse

Ein blosser Betonkeil als Abschluss darf pointiert als provisorische Lösung taxiert werden. Feste Gebäudeteile, Winkel-platten, Stellriemen, Metallbänder oder Zweizeiler sind jene Elemente, die eine Fläche langristig kompakt halten.

4. Der Puffer

Pflastersteine mit einer Stärke von 6 cm und Magerbeton für die Fundamente von Rinnen, Randabschlüssen und Bänderungen haben auf befahrbaren Flächen nichts zu suchen; auch wenn das vielleicht gut gehen könnte. Mit einem Pflaster von 8 cm Stärke und Beton CEM 250 fährt sich sicherer. Entlang einer Entwässerungsrinne sollte beidseitig mindestens eine Pflasterreihe einbetoniert werden. Nur wenn der Rinnenkörper starr eingebettet ist, kann die angegebene Belastungsklasse gewährleistet werden. 

Fazit

Durch die Reduktion der Formensprache ist wichtige Funktionalität verloren gegangen. Der Optimierungsdrang verlangt  preiswerte Lösungen. Beide Entwicklungen sollten kritisch verfolgt werden. Für stabile Baulösungen im Bereich befahrbarer Flächen von Ein- und Mehrfamilienhäusern und Wohnüber-bauungen gilt es, ästhetische und/oder preisliche Eingeständnisse einzugehen. Davon profitieren alle beteiligten Parteien.