Menarvis Landschaftsarchitektur Basel
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ECLAS-Konferenz an der HSR

|   Landschaft und Gesellschaft

Die jährliche Konferenz des Europäischen Verbundes für Landschaftsarchitektur-Hochschulen kam erstmals in die Schweiz. An der HSR trafen sich vom 11. bis 14. September FachvertreterInnen der Landschaftsarchitektur aus mehr als 30 Ländern zu einem Grenzen überwindenden fachlichen, sprachlichen und kulturellen Austausch.

Die jährliche Konferenz des Europäischen Verbundes für Landschaftsarchitektur-Hochschulen kam erstmals in die Schweiz. An der HSR trafen sich vom 11. bis 14. September FachvertreterInnen der Landschaftsarchitektur aus mehr als 30 Ländern zu einem Grenzen überwindenden fachlichen, sprachlichen und kulturellen Austausch.

«Bridging The Gap» war das Fokusthema der diesjährigen ECLAS-Konferenz, welche die HSR Hochschule für Technik Rapperswil in Zusammenarbeit mit hepia Haute école du paysage, d’ingénierie et d’architecture de Genève organisierte. ECLAS - mit vollem Namen European Council of Landscape Architecture Schools - versteht sich als etabliertes Forum für Grenzen übergreifenden Ideenaustausch, für Fachdiskussionen und Netzwerkpflege. Von Norwegen über Grossbritannien bis nach Italien und von den USA über Indien bis nach Neuseeland zog das Symposion rund 250 BesucherInnen an die HSR nach Rapperswil an, die sich während mehreren Tagen den aktuellen Themen der Landschaftsarchitektur widmen konnten. Den Tagungsteilnehmern stand ein dicht gestaffeltes Programm bevor. Zu den thematischen Schwerpunkten Entwurf, Landschaftsplanung, Bau- und Informationstechnologien sowie Pflanzenverwendung fanden in parallelen Sessionen mehr als 100 Vorträge statt.

Who’s Who an der HSR

Ein ranghohes Komitee aus Politik und Wissenschaft begrüsste die Teilnehmenden enthusiastisch. Während Prof. Dominik Siegrist, Leiter des ILF und Micheal Jakob, Professor an der hepia, eine weiterhin gute Kooperation zwischen ihren Hochschulen für die Zukunft als entscheidend erachteten, unterstrich Prof. Hermann Mettler, Rektor an der HSR, die wichtige Zusammenarbeit mit den Universitäten in Bratislava/Slowakei und Bukarest/Rumänien. Prof. Peter Petschek, Studiengangleiter an der HSR, stellte seine Abteilung Landschaftsarchitektur den Anwesenden vor. Martin Klöti, St. Galler Regierungspräsident 2016/17 wies als politischer Landschaftsarchitekt und Abgänger der HSR auf die Vorzüge der Stadt Rapperswil-Jona hin, welche sich mit ihrer malerischen Altstadt, der Holzbrücke entlang des Seedammes und ihrer vielfältigen und attraktiven Freiräume harmonisch ins Landschaftsbild einfügt. Ebenso stolz zeigte sich der Stadtpräsident Erich Zoller der Rapperswil-Jona als einen grossen Player sieht - wirtschaftlich mit Geberit und Lafarge-Holcim, kulturell mit einer reichen Geschichte und wissenschaftlich mit der Hochschule direkt am See. Erst jetzt durfte Prof. Simon Bell, Präsident von ECLAS, ans Rednerpult, mit den Worten: „I declare the conference open!“

Das vollständig auf Englisch geführte Symposion geizte nicht mit hochkarätigen Keynote-Speaker. So konnten neben dem Schweizer Landschaftsarchitekt Paolo Bürgin auch Professor Chris Reed aus Cambridge, Professor Jörg Rekittke aus Singapur sowie Dr. Matthias Stremlow vom Bundesamt für Umwelt für die Konferenz gewonnen werden.

Grenzen überwinden, wenn Grenzen verschwimmen

Das Fokusthema der Konferenz, nämlich intellektuelle Brücken zu bauen, um gedankliche Grenzen zu überwinden, ist nicht nur brandaktuell, sondern auch eine Einladung an unsere Branche, die Thematik vertieft zu interpretieren. Konzerne, welche sich kluge Köpfe leisten, mit der Begabung die Zukunft zu antizipieren, haben längst erkannt, dass fachliche Grenzen im beruflichen Alltag verschwimmen. Geht der Pharmakonzern Novartis mit dem Technologiemulti Google eine Zusammenarbeit ein, um intelligente Kontaktlinsen für Patienten zu entwickeln oder entscheidet sich Valora mit der Glarner Kantonalbank für eine strategische Partnerschaft, um am Kiosk digitale Finanzdienstleistungen anzubieten, so haben diese erkannt, dass Grenzen (zwischen Unternehmungen) überwunden werden müssen, um am Markt auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben. Wenn sogar Weltkonzerne sich damit auseinander setzen müssen, auf welche Art sie ihre „Brücken“ bauen, um sich langfristig attraktive Marktnischen zu erschliessen, sollten wir versuchen diese Herangehensweise auf Stufe Gartenbau oder Landschaftsarchitektur herunter zu brechen. Dann sind wir nicht nur kreativ in der Gestaltung von Grünräumen, sondern auch in der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen und Partnerschaften; so bleiben wir innovativ und sichern uns Potential für gute Geschäfte.

Paolo Bürgins fesselnde Beobachtungen

Im Dialog mit Raffaela Giannetto, Dozierende an der Landscape Architecture University of Pensylvania/USA, gewährte uns Paolo Bürgin einen Einblick in seine berufliche Trickkiste. Der Tessiner Landschaftsarchitekt weiss auf sanfte aber packende Art seine landschaftlichen Empfindungen zu vermitteln. Man glaubt ihm, wenn er von sich behauptet, er sei ein faszinierter Beobachter und früherer Rebell. Diese Eigenschaften werden wohl einen Teil seines «grenzüberschreitenden» Erfolges erklären. Er machte nicht viele Worte um seine Projekte, rückte sie erfrischend in den Hintergrund und brauchte sie nur, um seine Gedanken und Erkenntnisse zu bebildern.

Die Möglichkeiten Ruhe zu finden, gingen durch den technologischen Fortschritt verloren. Wenn wir aber einen Garten betreten, verändere sich unser Inneres. Er schenke Momente der Besinnlichkeit und helfe uns, unser verborgenes Ich zu finden. Bürgin sieht deshalb, den von einem Designer gestalteten Garten als ein kulturelles Symbol, das in einer hektischen Welt an Wert gewinnt.

„Wir werden nie gerufen, um zweimal das gleiche zu tun. Das ist das Schöne an unserem Beruf“, erfreute sich der Tessiner Landschaftsarchitekt. Aber  woher nimmt er denn seine Ideen her? Der Beobachter Bürgin sieht „Bilder“! So beispielsweise auf den Brissago Inseln, auf welchen er einen Ort mit einem Tisch und zwei Hocker aus Stein am Ufer des Lago Maggiore entdeckte. Wie der Endpunkt der Insel, welcher den Austausch mit der Umgebung ermöglicht, sei ihm dieser Ort vorgekommen. Es war Inspiration für das Cardada Projekt, mit welchem Paolo Bürgin einen Dialog mit dem Horizont installierte. Auf dem Hausberg von Locarno führt zwischen den Baumwipfeln des darunter gelegenen Waldes eine landschaftsarchitektonisch gestaltete Passerelle zu einer Aussichtsplattform, welche einen grandiosen Ausblick gewährt.

Ein altes Gemälde zeigte eine Menschengruppe auf, die dem Betrachter den Rücken zuwandte. Man sah, dass sie etwas beobachteten, man wusste aber nicht was. Auf die Landschaftsarchitektur übertragen, sah Bürgin darin die Einladung an die Gartengestalter, Neugierde zu wecken, indem sie Grünräume schaffen, die dazu animieren, auf Entdeckung zu gehen. „Die Überlegung, wie man an einen Ort gelange, ist bei dieser Gestaltungsphilosophie zentral“, meinte der Designer.

Auch beim nächsten Beispiel erkannte man in Bürgin den Menschen, der mit scharfem Auge die Essenz einer „Begegnung“ einfangen kann und sie dann mit Prägnanz zu vermitteln weiss. So war er bei einem Museumsbesuch fasziniert, von einem Bild von Pablo Picasso. Das Gemälde zeigte einen Maler vor leerer Leinwand, der seinen Pinsel von einer vertikalen Linie absetzte. Die Linie war perfekt gesetzt und strahlte auf seiner Leinwand eine unglaubliche Energie aus. Er verglich dieses Bild mit einem Foto aus einer Baumschule. In einer endlosen monotonen Pappelreihe, wuchs eine Steineiche, welche die gleiche Kraft ausstrahlte wie die Linie in Picassos Gemälde. Könnte das nicht eine Strategie sein, durch die Landschaftsarchitektur Dinge in den Vordergrund zu setzen, die wir nicht mehr bemerken?

Weniger in den Vordergrund setzen, sollten die Landschaftsarchitekten das Klagen über den mangelnden Stellenwert ihres Berufsstandes. „Ich habe nie die Meinung vertreten, wir müssten unseren Beruf verteidigen“, meinte Bürgin selbstsicher. Er war sich in diesem Punkt immer mit Dieter Kienast einig, dass Landschaftsarchitekten einfach einen guten Job machen müssten. 

Der wunderschöne Dialog zwischen Raffaela Giannetta und Paolo Bürgin trug den Geist der Konferenz in sich. Wachsam sein und seine Umwelt beobachten, den Dialog suchen, Unscheinbares kraftvoll in den Vordergrund setzen und eine gesunde Portion Selbstsicherheit mit einem Tic rebellischer Würze können erfolgversprechende Eigenschaften sein, um Grenzen zu überbrücken und an neue Ufer zu gelangen.

Vielfältiges Themenangebot

In parallelen Sessionen wurden in fünfzehn minütigen Kurzvorträgen verschiedentliche Themen angeschnitten. Referate über Pflanzenverwendung und –design, Architektur und Ökologie, Interpretationen von Gartenkulturen oder Fragestellungen über Windparks und Landschaftswahrnehmung bis zu Vorträgen über Migration und Integration durch geschickte Landschaftsarchitektur zeigten die Bandbreite des Diskussionsangebotes auf.

Gemeinsame Mittag- und Abendessen sowie interessante Ausflüge rundeten das Angebot ab und ermöglichten es, neue Kontakte zu knüpfen, Ideen auszutauschen und mit verschiedensten Kulturen in Berührung zu kommen.