Auf der linken Seite des Lago Maggiore liegt die „Riviera del Gamborogno“. Sie zieht sich von Cantone über San Nazzaro, bis nach Indemini und Zenna an der italienischen Grenze mehr als 10 Kilometer hin. Mit ihren charakteristischen Tessiner Dörfern und ihrer steil aufsteigenden Berglandschaft bildet sie einen Gegenpol zu den mondänen Zentren Ascona und Locarno am anderen Seeufer.
Begünstigt durch ein mildes Klima entstand Mitte des letzten Jahrhunderts zwischen Piazzogna und Vairano ein Park mit einer Vielzahl an acidophilen Pflanzen asiatischer Herkunft. Besonders das weltweit einzigartige Magnolien- und Kameliensortiment sind beeindruckend.
Auf nach ‚Gamborogno’
Zwischen dem Hügelzug des Tamaro und des Gamborogno schlängelt sich die schmale Strasse kurvenreich auf eine von Gletschern geformten Hochterrasse. Hier liegt an der Ortsgrenze zu Piazzogna in Richtung Vairano der „Parco Botanico del Gamborogno“. Der Ort spart nicht mit seinen Reizen. Umgeben von einem Blütenmeer schweift der Blick in die Ferne und erkennt den Eingang des Maggia- und Verzascatals. Die Aussicht auf See, Alpenkamm und das Delta der Maggia ist überwältigend!
Die Gärtnerei…
Alles begann 1955 als der Baumschulfachmann Otto Eisenhut das Gelände kaufte und einen Gärtnereibetrieb einrichtete. Heute erinnert er mit seinen alten Strukturen an längst vergangene Zeiten. Treibhäuser, umgeben von hohen Betonsockeln, Frühbeetkästen, geformt aus schweren U-Elementen, ein in die Jahre gekommenes Gärtnereihäuschen mit Setztischen und massiver Elektroinstallation aus Grossvaters Generation, sind Zeugen unserer Vergangenheit und schaffen Identität mit der Geschichte dieses Ortes.
… und ihr Park
Der Grundstein zum Park in seiner heutigen Zusammensetzung wurde erst 10 Jahre später durch die schicksalhafte Begegnung mit den beiden leidenschaftlichen Pflanzenkennern Sir Peter Smithers und Piet Van Veen gelegt. Sie animierten Otto Eisenhut seinen, Zitat „kläglichen Pflanzenbestand“ durch Kreuzungen mit Varietäten aus aller Welt zu erweitern und die Baumschule mit einer Fülle im speziellen an Magnolien und Kamelien zu bereichern. Sie dienen im Botanischen Garten als Mutterpflanzen. Nach dem Anlegen des Wegesystems wurde der Park 1989 für das Publikum geöffnet. Seit 2000 sichert die Stiftung „Parco Botanico del Gamborogno“ die Kontinuität dieses landschaftlich, botanisch und kulturell wertvollen Idylls. Im Jahr 2011 gewann der Park den Schulthess-Gartenpreis.
Eintauchen in die Welt der Magnolien…
Die Magnoliengewächse sind eine uralte Pflanzenfamilie, deren Entwicklungs-beginn über 100 Millionen Jahre zurückliegt. Sie zählen zu den Vorfahren unserer Blütenpflanzen. Ihre Ursprünglichkeit zeigt sich in den primitiven Merkmalen wie den zapfenförmigen Fruchtständen und der Organisation der Blüte. Sie ist meist deutlich spiralig aufgebaut. Darüber hinaus sind die Blütenblätter nie miteinander verwachsen und ihre Anzahl ist nicht konstant. Es ist erstaunlich, dass diese „Anfänger“ in der Entwicklungsgeschichte der Blütenpflanzen zu den auffälligsten und schönsten Ziergehölzen gehören. Mit rund 450 Mutterpflanzen weist der „Parco Botanico del Gamborogno“ das weltweit grösste Sortiment auf.
…und der Kamelien
Kameliensorten lassen sich in wintermilden Regionen Mitteleuropas im Freien kultivieren. Besonders erfolgreich gelingt dies unter dem wärmenden Einfluss des Golfstromes in ozeanisch beeinflussten Küstenregionen oder in klimatisch begünstigten Gebieten wie in der Südschweiz.
Als dankbare Zuchtpflanze können sich an den Zweigen der Kamelie oft Mutationen bilden. Beispielsweise kann eine Pflanze plötzlich an einem Trieb die Blütenfarbe, Blütenform oder die Belaubung ändern. Werden Stecklinge bewurzelt, bleiben die neuen Merkmale erhalten. Auf dem Gelände der Gärtnerei Otto Eisenhut befindet sich heute mit 600 Arten und Varietäten eine der umfangreichsten Kameliensammlungen Europas.
Der Rundgang durch den Park
Ein Pfad führt den Besucher in den von zwei Bergbächen begrenzte 17'000 m2 grossen Garten. Die Pflanzenwelt ist so reichhaltig, dass an dieser Stelle nur auf ein paar wenige, ausgelesene Magnolien- und Kameliensorten eingegangen werden kann.
Auffallend sind die Magnolia-Gresham-Hybriden (nach dem Züchter Todd Gresham benannt). Dabei handelt es sich um hervorragende starkwüchsige, mittelgrosse und winterharte Magnolienbäume, welche bereits als junge Pflanzen mit grossen, duftenden Blüten auf sich aufmerksam machen.
So ist der Blütenregen von Magnolia Gresham ‚Darrel Dean’ vor blauem Himmel ein wahrer Blickfang. Ihre seerosenähnlichen Blüten leuchten in einem hellen Zartrosa und blühen später als die meisten Gresham-Hybriden.
Magnolia Gresham ‚Royal Flash’ prahlt mit 30 Zentimeter breiten und duftenden Blüten. Sie sind weiss, an der Basis dunkelrosa. Durch ihre Grösse erinnern sie an Nastücher, die sich schwer von zarten Zweigen hängen lassen.
Mit Magnolia Gresham ‚Joe McDaniel’ wächst im Park eine Sorte mit der tiefsten Blütenfärbung aller Gresham-Hybriden. Die in der Knospe tulpen-, später schüsselförmigen Blüten sind innen weiss, aussen tief purpurn. Kombiniert mit den hellgelben Blüten von Magnolia acuminata ‚Elisabeth’ entsteht eine reizende Farbensymphonie. Wobei zu beachten ist, dass die sehr gut winterharte ‚Elisabeth’ mit bis zu 8 Metern eine stattliche Höhe erreichen kann.
Die unter den Magnoliaceae eher selteneren gelb blühenden Sorten sind frostunempfindlicher und kalkverträglicher als ihre Artgenossen. Dafür blühen sie später, meist mit dem Blattaustrieb, was ihre Attraktivität dämpft. Unter den neueren Sorten fällt Magnolia denudata ‚Yellow River’ auf. Ihre vanillefarbenen, fruchtig duftenden Blüten dürfen ohne Blattwerk bewundert werden.
Neuseeland darf als Herzkammer der modernen Magnolienzüchtung bezeichnet werden. Zwei der Protagonisten unter den erfolgreichen Züchtern sind Felix und Marc Jury. Marc Jury nannte einer seiner sensationellsten Hybrid-Magnolien nach seinem Vater. Magnolia ‚Felix Jury’ blüht bereits nach dem dritten Standjahr mit wahrhaft Ehrfurcht gebietendem Blütengebilde, das sich bis zu einer Spannweite von 35 Zentimetern entfaltet. Extrem dickwandige Blütenblätter sind das Geheimnis dafür, dass jede der pfingstrosenähnlichen Einzelblüten beinahe 10 Tage bis zur Welke überdauert. Das kleinere Blütenexemplar Magnolia ‚Marc Jury’ gedeiht im Park im Halbschatten eines Mammutbaumes.
Camellia japonica ist eine der bekanntesten Pflanzenarten innerhalb der Gattung der Camellia. Sie sind immergrüne, dicht verzweigte, aufrecht wachsende Winter- und Frühjahrsblüher mit dunklem, oft glänzendem Laub. Auf dem Rundgang findet sich Camellia japonica in vielfältigen Variationen.
Camellia japonica ‚Kujaku Tsubaki’ mit schmal lanzettlichem Blatt bringt glockenförmige Blüten hervor, die jenen des Oleanders ähneln.
Bei Camellia japonica ‚Black Magic’ sind die Blätter schmal elliptisch und die prall gefüllten, roten Blüten spielen mit Hell-Dunkel-Kontrasten.
Camellia japonica ‚Tenju’ weist breit elliptische Blätter auf und weiss mit ihren auffälligen, gelben Staubfäden in weit offener Blüte zu beeindrucken.
Der „Parco Botanico del Gamborogno“ ist einen Besuch wert. Er prahlt nicht nur im zeitlichen Frühling mit Magnolien und Kamelien sondern verführt das ganze Jahr mit reichhaltigem Blütenzauber verschiedenster Gewächse.
Magnolien
Die Gattung der Magnolien umfasst zirka 80 Arten, die in zwei grossen, weit voneinander getrennte Weltregionen vorkommen: aus Ostasien und Nordamerika. Während die nordamerikanischen Arten starkwüchsig sind und sich zu grossen Bäumen entwickeln, wachsen ihre asiatischen Artgenossen schwächer und bleiben deutlich kleiner. Als ehemalige Waldpflanzen, welche vor den Eiszeiten auch in unseren europäischen Wäldern heimisch waren, lieben Magnolien leichten Schatten und eher feuchten und humosen Boden mit einem ph-Wert von 5.5 - 7. Magnolien sollten nicht geschnitten werden. Wenn überhaupt, dann nur ein Auslichten.
Kamelien
Die Kamelie gehört zur Familie der Teestrauchgewächse und ist in Ostasien beheimatet. Sie liebt helle, absonnige Standorte mit humosen, durchlässigen und leicht sauren Böden. Die Kamelie ist keine Zimmerpflanze. In lichten Treppenhäusern, Hauseingängen oder Wintergärten mit einer Luftfeuchtigkeit von zirka 60% fühlt sie sich jedoch überaus wohl. Auch an geschützten Standorten im Garten kann sie bei fachgerechtem Winterschutz unsere kalte Periode überstehen und erträgt kurzfristig Temperaturen von 10 bis 15 Grad minus.