Menarvis Landschaftsarchitektur Basel
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Gartenideen aus dem Malcantone

|   Garten- und Landschaftsarchitektur

Kulturlandschaften sind Kulturgüter. Sie stellen ein gemeinsames Werk von Natur und Mensch dar. Als vielfältige Biotope bieten sie Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna. Für den Landschaftsarchitekten können sie Quell von Inspirationen sein.

Kulturlandschaften sind Kulturgüter. Sie stellen ein gemeinsames Werk von Natur und Mensch dar. Als vielfältige Biotope bieten sie Lebensraum für eine artenreiche Flora und Fauna. Für den Landschaftsarchitekten können sie Quell von Inspirationen sein.

Die kleingekammerte Landschaft des Malcantone breitet sich zwischen dem Luganersee und dem Monte Lema auf einer Fläche von 76 km2 aus. Über sanfte Hügel erstreckt sie sich bis auf eine Höhe von 1600 m ü. M. Mit ihren vielen raumgliedernden Landschaftselementen, ihrer üppigen Vegetation, mit ihren verspielten Bergbächen und malerischen Dörfern wirkt sie wie eine abwechslungsreiche Parklandschaft. Dem aufmerksamen Gestalter offeriert sie wertvolle Impulse. Auf ausgewählte Aspekte soll in diesem Bericht eingegangen werden.

Natürliche Strukturen

Die Koexistenz der Malcantoneser mit ihrer Natur ist auf Schritt und Tritt spürbar und erlebbar. Die Eingriffe erfolgten sanft und im Sinne eines gegenseitigen Nutzens. Dadurch erfuhr die Landschaft eine grosse Bereicherung. So schmiegt sich die Erschliessungsstrasse an die bewaldeten Hänge. Von aussen kaum erkennbar, schlängelt sie sich in weiten Teilen unter einem Tunnel dichter Kastanienkronen von Dorf zu Dorf. Alte Bausubstanzen gehen einher mit Zeitgenössischem und entfalten in Kombination mit der Vegetation ihren unverwechselbaren Charme. Heckensäume und Gehölzinsel sind im Gedankengut der Bevölkerung unerlässlich zum Schutz vor Wind und Austrocknung. Solitärbäume sind als Schattenspender für das Vieh willkommen. Die bei der Urbarmachung angelegten Lesesteinhaufen bleiben stehen - nicht nur als Markpunkte sondern auch als neues zu Hause für Flora und Fauna.

Angekommen in einer Kulturlandschaft, überrascht sie uns mit ihren vielfältigen, Lebensräumen. Auf diese Weise bietet sie Spannung, Abwechslung und Heimat für Mensch, Tier und Pflanze.

Insbesondere freistehende Trockenstein-mauern kennen wir als charakteristisches und ‚Raum’ bildendes Landschaftselement. Mit ihren organischen Linien wirken sie lebendig. Entlang von Wegen sind sie begleitend und dienen meist als natürliche Einzäunung beweideter Felder.

Die mit kleinformatigen, formwilden Steinen gepflasterten Pfade sind unverkennbar. Die gefurchte Oberfläche und weiten Fugen machen das Begehen nicht zum Genuss. Mit ihrer urwüchsigen Formensprache betten sie sich jedoch gut in die üppig bewachsene Umgebung ein.

Die Bergbäche bieten dem ambitionierten Gestalter ein Schauspiel der besonderen Art. Es erstaunt, welches künstlerische Schaffen die ruppigen Gravitationskräfte entfalten können. Jeder Stein scheint bewusst gesetzt. In einem malerischen Chaos zehntausender Findlinge sucht sich das Wasser seinen Weg ins Tal. An überhängenden Moosen träufelt es in feinen Fäden in die Tiefe und bildet wie Harfen anmutende Wasserfälle. Diese Art des Fliessens ist nur eine von vielen rhythmischen Variationen nicht gebändigter Gewässer.

Der Unzähmbare

Pteridium aquilinum bildet im Malcantone Massenbestände. Mit bis zu 3 m Höhe ist er unser grösster einheimischer Farn. Er verwandelt eindrücklich weite Flächen in einen hellgrünen Teppich. Als Indikator für saure, nährstoffarme Böden wächst er bevorzugt in lichten Wäldern und deren Saum. Er dient auch als Gradmesser für die Pflegeintensität von magerem Wiesenland. Wenig gepflegte und schwach bestossene Weiden an den Hängen des Monte Lema hat der Adlerfarn fest im Griff. Untersuchungen der Foschungsanstalt Anhalt haben aufgezeigt, dass  Pteridium aquilinum durch die Abgabe allelopathischer Stoffe, durch seine schattenwerfende Morphologie und durch seine dicke, schlecht zersetzbare Streuschicht die Artenvielfalt erheblich zu senken vermag.[4] Alle seine Pflanzenteile sind stark giftig. Vom Vieh wird er gemieden. Es bevorzugt Restbestände anderer Weidegräser, die dadurch noch weiter zurückgehen. Zurückdrängen lässt sich der Adlerfarn durch frühzeitiges, mehrmaliges Mähen mit langfristigem Zeithorizont und durch kalk- und phosphathaltigem Düngen.

Trotz allem – mit seinen hellen, bogenförmigen und gefiederten Blattwedel zaubert Pteridium aquilinum in Kombination mit dunkler, gefurchter Kastanien- oder Eichenrinde spannende Form- und Farbbilder. Wo er dominiert, wächst kaum noch ein (Un)kraut. Doch aufgepasst! Als Bodendecker in Gärten ist er nicht zu empfehlen. Einmal eingewachsen ist er nicht mehr im Zaum zu halten. Mit Matteucia struthiopteris oder Onoclea sensibilis als starkwüchsige, ausläufertreibende Farne ist man besser beraten.

Der Bärtige und die Zierliche

Aruncus dioicus liebt beschattete Plätze, frische, nährstoffreiche Böden und luftfeuchte Standorte. Am Monte Lema besiedelt er kühle, bewaldete Schluchten oder setzt an bemoosten Uferpartien wilder Bergbäche freundliche Akzente. Mit seinen kurzen Rhizomen krallt er sich gar an steilen Hängen fest. Der Waldgeissbart tritt meist in kleinen Gruppen in Erscheinung. Zu einem Dutzend geschart, entfalten sich die bis zu 50 cm langen Blütenstände zu einem Blickfang. Kaum zu glauben, dass die rispigen Ähren sich aus tausenden von winzigen Blüten zusammensetzen. Die männlichen erscheinen im Juni/Juli reinweiss, die weiblichen gelblich-weiss und leicht hängend. Die grossen, gefiederten Blätter unterstreichen die Statur von Aruncus dioicus als 2 m hohe Leitstaude zusätzlich, wobei Farne sich als gute Partner erweisen.

Luzula nivea ist im Malcantone ein ständiger Begleiter. In den Mischwäldern aus Kastanien, Eichen, Buchen und Birken ist sie mehrheitlich als magerer Strauss anzutreffen. Auf Bergwiesen ist sie eher als kräftiger Horst zu sehen. Der Planer schätzt die ausläufertreibende Pflanze als immergrüner Bodendecker für halbschattig bis schattige und feucht bis nasse Standorte. Mit ihrer zierlichen Gestalt lässt sich die Schneeweisse Haimsimse kontrastreich mit grossblättrigen Schattenstauden kombinieren. Mit ihrem lockerrasigen Wuchs eignet sie sich gut als Bepflanzung unter Baumhainen. Die überzähligen, schneeweissen Blüten erfüllen dunkle Orte mit hellen Farben.

Tausend und einen Tag

Hemerocallis fulva scheint den Dorfbewohnern im Malcantone besonders ans Herz gewachsen zu sein. Sie wächst beinahe in jedem Garten. Teilweise verwildert sie an wenig unterhaltenen Böschungen oder auf Schuttplätzen am Rande der Siedlungen.

Hemerocallis trägt ihre auffälligsten charakterlichen Eigenschaften in ihrem Namen. Aus dem Griechischen stammt das Wort ‚hemera’ für Tag und ‚kallos’ für Schönheit. Tatsächlich ist die einzelne, eintätige Blüte kurzlebig. Die in Horsten wachsende, krautige Pflanze ist aber über einen langen Zeitraum vom Spätfrühling bis in den Spätsommer ausserordentlich blühwillig. An sonnigen Standorten mit feuchten Böden gedeiht sie am besten.

Dem Gartenplaner bietet die Taglilie eine immense Vielfalt an Formen und Farben. Die Wuchshöhen variieren von 30 cm bis 110 cm. Die Fülle an unterschiedlich gestalteten Blüten ist beeindruckend: Von rund oder dreieckig über stern- oder spinnenförmig bis einfach oder gefüllt ist alles zu finden. Die Petalen können dabei zugespitzt, kräuselrandig, abgerundet, flach, zurückgebogen oder schmal ausgebildet sein. Ebenso reichhaltig ist die Farbpalette: Von Weiss über Gelb und Orange bis Dunkelpurpur und tiefstes Rotschwarz hat man die Qual der Wahl. So erstaunt es nicht, dass aus der Gattung Hemerocallis 30'000 verschiedene Kulturformen abstammen, davon auch einige immergrüne und halbimmergrüne Arten. Hemerocallis Cat’s Cradle, Flore Pleno, Prairie Blue Eyes, Joan Senior oder Scarlet Orbit sind nur eine kleine Auswahl an speziellen Sorten, welche aufzeigen, dass Taglilien nicht nur für Wildgärten oder Mischrabatten geeignet sind, sondern ebenso als Leitstauden und Blickfang in repräsentativen Anlagen eingesetzt werden können.

Kulturlandschaft versus Wirtschaftslandschaft

Unter dem Begriff Kulturlandschaft versteht sich eine vom Menschen intensiv genutzte Agrarlandschaft. Diese wird jedoch durch kleinräumige Wirtschaftsweisen geprägt und ist durch eine Vielzahl von Landschaftselementen ökologisch stabil. Sie wahrt in ihrer Physiognomie naturräumliche Verschiedenheiten.  In einer Kulturlandschaft hat die landwirtschaftliche Nutzung ein bestimmtes Intensivitätsniveau nicht überschritten. Diese Nutzungsform schuf bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts artenreiche Biotope. Wesentliches Element ist die Landschaftsverbundheit des Menschen. Er machte sich den selbst stabilisierenden Haushalt zunutze und schuf natürliche Strukturen. Die auf diese Weise entstandene Biodiversität und für die bäuerliche Bewirtschaftung nützlichen Elemente, stören heute oftmals.

Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft sind diese zu grossen Teilen wieder verschwunden. Die Wirtschaftslandschaft entstand. Als intensiv genutzte Agrarlandschaft charakterisiert sie sich durch grossräumige Wirtschaftsweisen. Der Mensch greift nivellierend ein. Durch Ausräumung raumgliedernder Elemente entsteht eine Landschaft, die von Uniformität geprägt ist und deren Haushalt teilweise über künstliche Eingriffe im ökologischen Gleichgewicht gehalten wird.[2]