Für die privat nutzbaren Gartenbereiche einer Wohnsiedlung musste ein neues Konzept erarbeitet werden. Bis zur Übergabe des Bauwerkes galt es, verschiedene ästhetische und technische Hürden zu überwinden. Positive Rückmeldungen schenkten dem Besitzer am Schluss das gute Gefühl, für die Liegenschaft und seine Bewohner Mehrwert geschaffen zu haben.
Anstehende Veränderungen in den Eigentümerverhältnissen veranlassten den Besitzer einer Wohnsiedlung, sich dem Aussenraum anzunehmen. Insbesondere war ihm ein Anliegen, die zur privaten Nutzung gestellten Gartenteile klarer zu umreissen. In einer Hausordnung sollten die Grösse und die Einschränkungen in der Benützung und Veränderung des privaten Aussenraumes geregelt werden. Die individuell angelegten Gartenzäune sowie die zu stattlichen Gehölzen herangewachsenen, raumfüllenden und lichtraubenden Sträucher entsprachen nicht mehr seinen Zielvorstellungen. Um Rat fragte er einen Architekten; dieser empfahl ihm, einen Landschaftsarchitekten beizuziehen.
Das erste Beratungsgespräch
Die prioritäre Anforderung der Bauherrschaft war es, die privaten Gartenbereiche in ihrer Ausdehnung visuell genau zu definieren, möglichst ohne Hecken und Sträucher. So gesehen, würde ein Metallzaun mit Diagonalgeflecht und Türchen - vielleicht mit blühenden Kletterpflanzen etwas aufgelockert - vollauf genügen. Doch einerseits erforderte die gepflegte Liegenschaft eine attraktivere Gestaltungsvariante und andererseits sollten doch nicht eintönige Gartenzellen entstehen. Werden einer privaten Bauherrschaft solche Aspekte veranschaulicht und werden ihr die breiten Möglichkeiten in der Aussenraumgestaltung dargelegt, zeigt sie sich von den Vorteilen einer Gartenplanung durchaus überzeugt. Das Berufsbild und das Repertoire des Landschaftsarchitekten sind manchen privaten Auftraggebern noch nicht so vertraut wie jenes des Architekten oder Gartenbauers.
Gemeinsam zum Gestaltungskonzept
Auf der Rückseite der Wohnimmobilie dehnt sich eine grosszügige Grünfläche aus. Bestückt mit stattlichen Sträuchern und eingefasst mit einer baumbestandenen Wildhecke ist diese Ausgangslage im verdichteten urbanen Raum keine Selbstverständlichkeit mehr. Dem langgezogenen Gebäude schmiegen sich acht Sitzplätze an; alle in einer Reihe und je hälftig nischenförmig zurückversetzt. Dieser abrupte Übergang von der Geborgenheit der Nische zur unbeschützten Weite der Rasenfläche war der Funke für die Idee des Konzeptes. Mit dem Spiel unterschiedlicher Intensitäten des privaten Rückzugs sollten neue Räume mit verschiedenartigen Charakteren entstehen. Auf diese Weise würde auch die Wechselwirkung zwischen den privaten Gartenteilen und der wenig genutzten, halböffentlichen Rasenfläche verbessert werden.
Der Beurteilung des Ist-Zustandes folgte die Konzeptarbeit. Für das Raumkonzept entstand ein schematischer Plan, welcher sich grafisch einzig auf die Raumtypologien, Raumabfolgen und auf die Art der Grenzbildung konzentrierte. So wurde ein etwa 40 m2 grosser Bereich bei den Sitzplätzen als private Rückzugszone definiert. Ihr vorgelagert ist eine neue Vorzone, die mit halbprivatem Charakter Begegnungen zwischen den Nachbarn begünstigt und als fliessender Übergang zur halböffentlichen Rasenfläche dient. Die trennenden Elemente zwischen den Räumen wurden in harte, geschlossene und weiche, transparente Grenzen unterschieden. Nur auf der Höhe der Sitzplätze sollte vollständiger Sichtschutz gewährt werden, der zur Rasenfläche hin immer durchlässiger werden sollte.
Eine private Bauherrschaft fühlt sich bei diesem ersten Planungsschritt oft etwas verunsichert, ist ihr doch das analytische, konzeptionelle Denken eher fremd, vor allem in Sachen Garten - das ist doch etwas Handfestes! Wird ihr zu bedenken gegeben, es sei wichtig, sich am Anfang nicht im Detail zu verlieren, bevor das Übergeordnete nicht stimmig sei, hat man bald eine überzeugte und dankbare Kundschaft an seiner Seite. Hält die Planerin oder der Planer noch konkrete Zeichnungen und Referenzbilder in der Hinterhand fühlt sich die Kundschaft noch besser verstanden.
Es nimmt Form an
Ist das Konzept mit einer übergeordneten Idee geboren, sind alle Beteiligten für den weiteren Planungsprozess mit dem gleichen Kompass unterwegs. Das gibt Sicherheit für die Erarbeitung des Vorprojektes.
Für die Trennung der Sitzplätze entstanden nach Mass entworfene Sichtschutzwände. In ihrer Bauweise finden sie den Bezug zum Gebäude. Die Rahmenkonstruktion aus hellblau pulverbeschichtetem Stahl und die horizontale Belattung mit rötlicher Douglasie lehnen sich in Gestalt und Farbe an die bestehende Architektur an. Mit einer ausgetüftelten Anordnung der Holzleisten wollten die Planenden ein Spiel mit unterschiedlichen Intensitäten des privaten Rückzugs entfachen. Ein mit Blumenampeln behangenes ‘Fenster‘ in der Wand deutet an, dass der Nutzer seine Nische hin zum halbprivaten Gartenteil verlässt. Ziergräser in Hochbeeten, kombiniert mit Sitzbänken und einer lockeren Reihenbepflanzung aus Felsenbirnen lassen eine neue Vorzone entstehen, die mit ihrem Scharniercharakter zu einem weicheren Übergang zwischen den privaten Gartenteilen und der halböffentlichen Rasenfläche beiträgt.
Gut zu wissen: ein paar technische Details
Um Ungenauigkeiten betreffend Höhenkoten bauseits gesetzter Fundamente besser auszugleichen, kann es sein, dass der Schlosser seine Werkpläne anders konzipiert als jene des Landschaftsarchitekten. Beim vorgestellten Projekt produzierte der Unternehmer die Sichtschutzwände niedriger. Er bevorzugte es, die Fertighöhe mit Unterlageplättchen zu erreichen und wähnte sich so auf der sicheren Seite. Sind aber alle Höhenkoten korrekt angegeben und die Fundamente vom Vorunternehmer einwandfrei gesetzt, kann diese Strategie zu unangenehmen Nebenerscheinung führen. Ist die Auflageplatte des Stahlträgers nämlich sichtbar, sind es auch die Unterlageplättchen. Das gefällt niemandem. Zur Gewährleistung der Stabilität und Ästhetik wurden deshalb einige Stahlträger nachträglich unterbetoniert.
Roher Stahl muss immer mit einem Abstand zu nicht rostenden Bauteilen versetzt werden, damit sich diese durch die Korrosion nicht verfärben. Trotzdem tappt man immer wieder in die „Rostfalle“. Rostflecken entstehen nämlich auch durch tropfendes Wasser. Trotzdem entschied man sich dafür, unter den Sitzbänken aus unverzinkter Stahlkonstruktion Betonplatten zu verlegen, da man unter den Bänken den Pflegeaufwand vermeiden wollte.
Gut sichtbar ist auch der schnelle Vergrauungsprozesse von Holz. Bereits nach wenigen Wochen wurde die Belattung der Sitzgelegenheiten bleich, wohingegen die behandelten Materialien der Sichtschutzwände weiterhin Frische ausstrahlen.
Mit vertretbaren Mehrkosten zu einer normierten Aussenraumgestaltung hat die Bauherrschaft mit einem Planungsmandat nicht nur für ihre Immobilie wertvollen Mehrwert geschaffen, sondern auch dafür gesorgt, dass die Bewohner zusätzliche Wohnqualität erleben dürfen. In der Kosten-Nutzen-Rechnung nicht berücksichtigt, sind die positiven Rückmeldungen.