Menarvis Landschaftsarchitektur Basel
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Neues Kleid für sanierte Fassade

|   Technik im Gartenbau

Für die bewachsene und sanierungs-bedürftige Fassade hinter der Einkaufs-meile Basels musste ein Konzept für eine neue Begrünung erarbeitet werden. Im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Ästhetik, Bautechnik und Logistik bot das kleine Projekt interessante Aspekte.

Für die bewachsene und sanierungs-bedürftige Fassade hinter der Einkaufs-meile Basels musste ein Konzept für eine neue Begrünung erarbeitet werden. Im Spannungsfeld zwischen Ökologie, Ästhetik, Bautechnik und Logistik bot das kleine Projekt interessante Aspekte.

Die Hinterhöfe in Basels Innenstadt begeistern mit einer erfrischenden Individualität. Oft sind sie für bauliche Eingriffe schwer zugänglich. Vielleicht scheint deshalb das Leben in diesen stillen Oasen inmitten des pulsierenden städtischen Treibens, einen ruhigeren Lauf zu nehmen.

Die Bestandesaufnahme

Man schlüpft durch das Fenster des mittelalterlichen Gebäudes oder klettert über eine drei Meter hohe Grenzmauer. Auf diesem Weg führt der Bauherr den Handwerker ins Atrium. Die ersten Momente der Begehung sind von grosser Bedeutung. Denn das Wissen über die Zugänglichkeit eines Bauplatzes ist das wichtigste Gut für die Erstellung eines seriösen Angebotes.

Auf einer Vegetationsdecke von bloss 30 cm erklomm Parthenocyssus tricuspidata mit 15-20 m schwindelerregende Höhen und überzog den angrenzenden, fünfstöckigen Baukörper mit einem Fischernetz ähnlichen Geflecht. Trotz überragender Höhe der Pflanze waren die Stämme nicht mehr als Arm dick.

Korrosionsbedingte Betonabplatzungen infolge Carbonatisierung erforderten eine betontechnische Bearbeitung der offenen Stellen. Interessanterweise hielten – wie bei einer Felssicherung in den Bergen – die haftenden Triebe die abbröckelnden Betonsplitter fest. Weiter sollte im Zuge der energetischen Sanierung, die Fassade mit einer 16 cm dicken Aussenwärmedämmung versehen werden. Deshalb musste der Wilde Wein weichen. Die Bauherrschaft stellte dafür dem Gartenbauunternehmen das Gerüst zur Verfügung.

Die Wunschliste

Verwöhnt von einer grünen Wand, wollten die Bewohner nicht mehr auf die beruhigende Wirkung eines Pflanzen-vorhangs verzichten.

Die Anliegen der Bauherrschaft waren sachlicher Natur. Sie suchten eine pragmatische und stabile Lösung für die Begrünung der schattigen Hauswand. Die Kletterpflanzen sollten die neue Kompaktfassade nicht beschädigen und sie nicht mehr vollständig überwuchern. Grosse Krafteinwirkungen durch starke Stammbildung waren unerwünscht.

Der Gärtner fasste die Aufgabe unter diesen Prämissen ein Konzept für eine neue Berankung zu erarbeiten.

Das neue Konzept

Die Wahl fiel auf Schlinger und Ranker, da ihr Klettermechanismus für die Begrünung moderner Fassaden besser geeignet ist. Mit stark bis sehr stark wachsenden Kletterpflanzen sollten Teile der Wand schnell und bis in grosse Höhen bedeckt werden. Die knifflige Aufgabe bestand darin, wüchsige Kletterpflanzen mit geringer Stammbildung zu finden. Gleichzeitig sollten sie schattenverträglich sein und nur eines sporadischen Auslichtungsschnittes bedürfen. Das Konzept sah eine gemischte Bepflanzung mit Clematis montana ‚Rubens’ und Clematis vitalba vor.

Clematis montana ist ein attraktiver Massenblüher, der bereits im April auch an schattigen Standorten dekorative Anemonen ähnliche Blüten hervorbringt. Die Anemonenwaldrebe gehört zu den robusten Clematissorten. Wegen ihrer enormen Wuchskraft eignet sie sich für die Begrünung grosser Flächen. Trotzdem ist ihre Stammbildung gering. Schnitt-massnahmen drängen sich nicht auf.

Wie Clematis montana ist auch Clematis vitalba ein schattenliebender Blattstiel-ranker. Deshalb lässt sie sich trotz gigantischem Wachstum mittels eines Rankgerüstes gut eingrenzen. Als einheimische Bienen- und Insektenweide ist sie für den städtischen Freiraum besonders wertvoll. Ihr Zierwert sind weniger, die im Juli bis August duftenden, sternförmigen Blüten, als vielmehr die lange haftenden Samenbüschel. Clematis vitalba bildet keine würgenden Stämme. Ein starker Rückschnitt darf vor dem Austrieb erfolgen, ist aber nicht notwendig.

Bei der Planung des Rankgerüstes galt es, drei Punkte zu berücksichtigen. Erstens sollte die Kletterhilfe ansprechend aussehen. Die Kombination von edlem Material mit der Pflanzenwelt kann spannende Bilder erzeugen. Zweitens muss sich die Begrünungshilfe für unsere heutigen, modernen Kompaktfassaden eignen. Und drittens darf der Planer die Einwirkung erstaunlicher Kräfte nicht unterschätzen. Würgende Stämme, erdrückende Laubmassen oder Windböen können einiges aus der Verankerung reissen. Deshalb empfiehlt sich der Entscheid für ein bewährtes Komplettsystem.

Mit der Brandmeier Ranktechnik Serie 100 aus Edelstahl fand sich die optimale Variante für das vorliegende Projekt. Sie verbindet Eleganz und Stabilität. Mit einer Höhe und Breite von zirka 10 x 6 m sollte etwa die Hälfte des dominantesten Fassadenteils begrünt werden. Das 60 m2 grosse Rankgerüst wurde in Felder von rund 200 x 70 cm eingeteilt. Wegen eines Versatzes im Sockelbereich musste eine Lösung für die Überleitung der Kletterpflanze auf das Rankgerüst gefunden werden. Mit Edelstabstäben – an ihren Enden jeweils in entgegengesetzter Richtung angewinkelt – wurde die Verbindung zwischen Boden und Kletterhilfe geschaffen. Die Idee der Überleitung mittels Netz stand ebenfalls im Raum. Damit lässt sich die Pflanze aber weniger gut führen.

Die Ausführung

Für Projekte in einer Altstadt  bedarf es eines angepassten Zeitmanagements. Sämtliche Leistungen erfolgen auf engem Raum. Hindernisse sind häufig. Die Produktivität sinkt. Die daraus entstehenden zusätzlichen Aufwendungen dürfen nicht vernachlässigt werden und müssen in die Kalkulation einfliessen. 

Mit Fuchsschwanz und Rebschere liess sich auf dem Baugerüst der Wilde Wein etagenweise bequem abschneiden und herunterreissen. Mit einem alten Rollrasenziegelschneider konnten die Haftspuren von der glatten Betonfassade schnell und sauber beseitigt werden. An anspruchsvolleren Wandpartien musste mit geduldiger Handarbeit versucht werden, die Überreste der Dreispitzigen Jungfernrebe auf ein Optimum zu reduzieren. Denn dieser wüchsige Selbstklimmer sucht sich mit einem Geflecht wilder Triebe den Weg in jede Ritze. Erst am Schluss der Rodungsarbeiten wurde das fallen-gelassene Geäst in Big Bags verpackt und via Baugerüst auf das Transportmittel geladen. 250 m2 Partenocyssus tricuspidata entsprechen im laublosen Zustand 3-4 m3 Material zum abführen. Mit Hilfe eines bauseitigen Gerüstes und einer Equipe à 2 Mann bedarf es 2 Tage Arbeit. Dies entspricht einem Preis von +/- 20.--/m2 exkl. Mwst. inklusive aller Installationen und Deponiegebühren.

Heute beträgt der maximal gestattete Abstand eines Baugerüstes zur Wand 30 cm. Nach Abzug von 16 cm Dämmplatte und 1 cm Verputz verbleiben 13 cm als Freiraum für die Montage der Rankhilfe. Beharrt der Planer auf eine bestimmte Ausrichtung des Begrünungssystems, muss der Einbau einer demontierbaren Konsole bedacht werden. Sonst können waag- und senkrecht verlaufende Gerüsttraversen die punktgenaue Platzierung verhindern. 

Bei Arbeiten an einer aussengedämmten Fassade muss das Tragwerk bekannt sein und Kältebrücken dürfen nicht entstehen. Danach richtet sich die Art der Befestigungstechnik aus.

Sind die Verbindungspunkte eingemessen, kann die Wärmedämmung mit dem Kronenbohrer ausgeschnitten und inklusive Kleberschicht vollständig ausgeräumt werden. Nun wird die Stahlbetonmauer bis auf eine Mindesttiefe von 10 cm angebohrt, danach gründlich ausgeblasen und mit einem 2-Komponenten-Mörtel verfüllt. Unter leichtem Drehen steckt der Techniker die Gewindestange ein. Sie wird mit dem Tragwerk einen festen Verbund eingehen. Gleichzeitig führt er die Stützhülse in den Hohlraum ein. Sie ist wärmegedämmt und sorgt mit dem Fugendichtring für eine einwandfreie Abdichtung ohne Kältebrücke. Jede Stützhülse wird vor Ort einzeln zugeschnitten, um die Ungenauigkeiten in der Fassade auszugleichen. Sie muss 4 mm über die Fassadenoberfläche herausragen und wandseitig gut am Tragwerk anliegen. So ist gewährleistet, dass die Kräfte auf die Konstruktion und nicht auf die Dämmung einwirken. Nach dem Befestigen der Abstandhalter und dem Spannen der Drähte, steht einem kräftigen Wachstum der Kletterpflanzen nichts mehr im Weg. Mit etwa 145.--/m2 exkl. Mwst. lohnen sich die Kosten für ein durchdachtes und bewährtes Ranksystem.

Betonabplatzungen wegen Carbonatisierung

Beton besitzt bei sehr hoher Druckfestigkeit eine geringe Zugfestigkeit. Die Zugspannungen müssen durch eingelegte Stahlstäbe aufgenommen werden. Stahl ist korrosionsanfällig und rostet schnell, wenn er ungeschützt Luftsauerstoff und Feuchte ausgesetzt ist. Beton als hochalkalisches Medium schützt den Stahl vor Rost. Durch die chemische Reaktion mit Kohlendioxid der Luft und der Feuchtigkeit als Transport- und Reaktionsmedium verliert der Beton mit der Zeit seine Alkalität. Der pH-Wert sinkt von 12.5 auf etwa 8. Diesen Vorgang nennt man Carbonatisierung. Dadurch sind die eingebetteten Stahlstäbe nicht mehr vor Korrosion geschützt. Die Stahlstäbe rosten und entwickeln ein mehrfaches Volumen als der ursprüngliche Stahl. Der sich bildende Druck sprengt die schützende Betondeckung ab. Diese Abplatzungen werden umso eher eintreten je dünner, poröser und weniger alkalisch die Betondeckung des Stahls ist.

 

Betonabplatzungen wegen Carbonatisierung

Beton besitzt bei sehr hoher Druckfestigkeit eine geringe Zugfestigkeit. Die Zugspannungen müssen durch eingelegte Stahlstäbe aufgenommen werden. Stahl ist korrosionsanfällig und rostet schnell, wenn er ungeschützt Luftsauerstoff und Feuchte ausgesetzt ist. Beton als hochalkalisches Medium schützt den Stahl vor Rost. Durch die chemische Reaktion mit Kohlendioxid der Luft und der Feuchtigkeit als Transport- und Reaktionsmedium verliert der Beton mit der Zeit seine Alkalität. Der pH-Wert sinkt von 12.5 auf etwa 8. Diesen Vorgang nennt man Carbonatisierung. Dadurch sind die eingebetteten Stahlstäbe nicht mehr vor Korrosion geschützt. Die Stahlstäbe rosten und entwickeln ein mehrfaches Volumen als der ursprüngliche Stahl. Der sich bildende Druck sprengt die schützende Betondeckung ab. Diese Abplatzungen werden umso eher eintreten je dünner, poröser und weniger alkalisch die Betondeckung des Stahls ist.

Quelle: Freie Enzyklopädie Wikipedia

 

Kompaktfassaden

Sie gehören zu den günstigsten, mittlerweile zu den häufigsten Wandauf-bauten: die Aussenwärmedämmungen oder Kompaktfassaden. Beim Aufbringen der Dämmplatten wird das ganze Gebäude kompakt mit einer isolierenden Hülle verkleidet. Diese Art des Wandaufbaus eignet sich sowohl für Sanierungen von Altbauten wie auch für das Erstellen von Neubauten. Durch die immer dicker werdenden Dämmstärken kommt ihr heute eine wichtige Rolle im aktuellen Trend der Minergie- und Niedrigenergiebauten zu. Bei einer Mindeststärke von 16 cm erhält der Bauherr Fördergelder vom nationalen Angebot „Das Gebäudeprogramm“. Die mechanische Festigkeit von Kompakt-fassaden sind aber bei weitem nicht mit der Härte eines Mauerwerks zu vergleichen.

Quelle: Homepage Swissbrick