Bauvorhaben in Hanglagen geizen nicht mit Erschwernissen. Kommt zusätzlich der Anspruch nach einem homogenen Design hinzu, setzt dies die Latte der Anforderungen noch etwas höher und verlangt sowohl von Planenden wie auch von Ausführenden ein solides Mass an technischem Wissen.
Die geografische Lage eines Projektes, hauptsächlich die Zugänglichkeit für Baumaschinen und die Beschaffenheit des Geländes, sollten in der Planung die Wahl der Baumaterialien beeinflussen. Da der Baukran im Gartenbau nicht, wie im Hochbau üblich, zur Grundinstallation gehört, sind dem Gewicht und der Handhabung der zu versetzenden Gestaltungselemente grösste Aufmerksamkeit zu schenken. Dahinter steckt die Haltung, die finanziellen Aufwendungen für die Bauherrschaft und die körperlichen Belastungen für die Gärtner auf einem erträglichen Mass zu halten. Eine Antwort auf diese Herausforderungen kann lauten, mit verschiedenartigen «Kleinbausteinen» zu arbeiten.
Mit dem Schalungsstein von klein zu gross
Bescheiden im Auftritt, leistungsfähig im Einsatz! Innen hohl, besteht der Schalungsstein eigentlich bloss aus etwa 2 cm starken Wänden, die als Schalung für die nachträgliche Verfüllung mit losen Materialien dienen. Mit den kleinen, grauen Schalungssteinen lassen sich an erschwert zugänglichen Lagen, grosse und interessante Bauwerke erstellen. In verschiedenen Formaten von zirka L/B/H 40/20/25 cm und einem Gewicht von rund 15 kg erhältlich, lässt sich der Baustein aus Beton von einer einzigen Arbeitskraft mühelos in jede Baustellenecke tragen. Braucht es eine Menge davon, genügen wenige Kranzüge, um die Baustelle palettenweise zu beschicken. Im Devis darf aber die entsprechende Position für den Einsatz eines Pneukranes nicht fehlen – das geht oft vergessen!
Neben den optimalen Transportmöglichkeiten innerhalb der Baustelle, liegt der eigentliche Glanzpunkt des Schalungssteines darin, ihn als preiswerte Unterkonstruktion für eine spätere Veredelung einzusetzen. Wird der Schalungsstein als (vorgelagertes) Mauerwerk verbaut, kann dieses beispielsweise mit der identischen Natursteinplatte wie sie für die Wege und Plätze verwendet wird, verblendet werden, um ein homogenes Design in der Gartengestaltung zu erreichen. Für erfolgsversprechende Resultate ist die Berücksichtigung wichtiger technischer Details unerlässlich.
Das Fundament richtig dimensionieren
Als Fundament für die beschriebene Mauer wird ein Streifenfundament ausgebildet. In der «Technischen Wegleitung» der Creabeton für Hangsicherungssysteme (https://creabeton-baustoff.ch/downloads/04 Technische Weglei-tungen/betonhangsicherungen) finden sich wertvolle Angaben zur Dimensionierung. Abhängig von der Mauerhöhe und der Tiefe des Schalungssteines, je nach Böschungsneigung und Auflast hinter der Hangsicherung werden in Tabellen verschiedene Richtwerte der Fundament-abmessungen angegeben.
Wegen des abschüssigen Geländes hegten die Beteiligten beim vorliegenden Projekt die Befürchtung, kleinste Setzungen, resp. Verschiebungen könnten Rissbildungen in der Verblendung hervorrufen, deshalb wurde ein bedeutsamer Sicherheitspuffer eingebaut. Statt eines Betons C20/25 X0 mit Armierungsnetz entschied man sich für Bewehrungskörbe und einem Beton mit der Druckfestigkeitsklasse C30/37 und der Expositionsklasse XC2. Ebenfalls wurden die Fundamentstränge mit einer Stärke von über 60 cm rund doppelt so hoch dimensioniert wie für eine rund 1 m hohe Mauer empfohlen. In jedem Fall gilt, die Fundation unterhalb der Fundamentsohle bis zur Frosttiefe aus frostsicherem Kiessandgemisch zu erstellen.
Stein um Stein – die Mauer wächst
Es fühlt sich harmlos an, trotzdem empfiehlt es sich vor dem Versetzen des Schalungssteines das Produkteblatt (https://creabeton-baustoff.ch/downloads/05technische produkt-blaetter/h0301_schalit.pdf) genau zu konsultieren. Die erste Steinreihe wurde mindestens 5 cm tief ins Fundament eingebunden. Die folgenden Reihen versetzte der Vorarbeiter ohne Lagerfugen und ohne Kreuzfugen aufeinander. Ecken in der Mauer wurden mit durchgehenden Dilatationsfugen ausgebildet.
Die vertikale Bewehrung stellt die Verbindung zwischen dem Fundament und dem Schalungsstein her und muss bei hinterfüllten Mauern bergseitig versetzt werden. Die horizontale Armierung wird in die Nut des Schalungssteines gelegt. Nun folgt ein essentieller Arbeitsschritt, auf welchen wir im weiteren Verlauf des Bauprozesses noch genauer eingehen werden: Die «Beton Vor- oder Nachbehandlung». Bei heissem Wetter ist die Verdunstung hoch. Trockene Steine können dem Beton zusätzlich Wasser entziehen, das nicht mehr ausreichend für den Erhärtungsprozess vorhanden ist. Eine Stunde vor dem Betonieren sind die Mauersteine deshalb gründlich vorzunässen! Das unterstützt den Abbindeprozess und gewährleistet eine optimale und kraftschlüssige Verbindung aller Komponenten im Gefüge. Das Einbringen und Verdichten des Füllbetons in den Hohlraum des Schalenmauerwerks erfolgte von Hand und mit Fingerspitzengefühl, weil dabei grosse Druckkräfte entstehen.
Die Hinterfüllung oder weg mit dem Wasser
Um den Fallstricken des Wassers zu entgehen, gilt es, bei der Hinterfüllung der Mauer an alles zu denken. Denn einerseits erhöht Wasser den Hangdruck um ein Vielfaches. Eine mangelhafte Hinterfüllung kann daher zu Ausbauchungen im Mauergefüge führen. Andererseits kann Feuchtigkeit hinter der Verblendung Ausblühungen verursachen. Schlimmstenfalls kann sie sich durch die Wechselwirkung von Temperaturunterschieden und anhaltender Feuchtigkeit von der Unterkonstruktion lösen. Die Rückseite des Mauerwerkes wurde folglich mit Dichtschlämme und Noppenfolie gegen eindringendes Wasser abgedichtet. Der vorgelagerte Riegel aus Sickerbeton führt nicht nur den grössten Teil des Wassers in die Sickerleitung am Mauerfuss ab, sondern verleiht dem Bauwerk zusätzliche Stabilität. Geschützt mit einem Filtergewebe wird die langfristige Sickerfähigkeit des Sickerbetons gewährleistet.
Die Verblendung im Buttering-Floating- Verfahren
Die Ausführungsarbeiten erfolgten im Sommer, das Bauwerk lag an einem exponierten Südhang. Temperaturen über 25° führen aber zu einer schnelleren Zementhydratation bei der sich kleinere Zementhydratkristalle bilden, die sich weniger intensiv verfilzen als grössere. Der Grad der Kristallverfilzung beeinflusst die Qualität des Betons: seine Festigkeit und Porosität, die Neigung zum Absanden und das Auftreten von Frühschwindrissen. Die Verarbeitung des Zementes erfolgte deshalb nur in den kühleren Morgenstunden. Die bearbeiteten Bauteile wurden danach mit wasserspeichernden Vliesen beschattet und benetzt. Ziel dieser Massnahme und der eingeleiteten Nachbehandlung war es, das Austrocknen des Zementes zu verhindern um sicher zu stellen, dass das Wasser für den Erhärtungsprozess zur Verfügung steht.
Zum Ausgleichen von Unebenheiten wurde zuerst ein Feinspachtel aufgetragen. Erst danach verklebte der Vorarbeiter jede einzelne Natursteinplatte im Buttering-Floating-Verfahren auf die nun glatte Unterkonstruktion aus Schalungssteinen. Dieses kombinierte Verfahren beschreibt das Auftragen des Verlegemörtels sowohl auf den Untergrund wie auch auf der Rückseite der Natursteinplatten. Der höhere Zeitaufwand der beschriebenen Methode rechnet sich mit einem erheblich geringeren Anteil an Hohlräumen auf.
Allen technischen Belangen zum Trotz, dem Fugenbild gilt es ebenfalls Beachtung zu schenken, damit es sich harmonisch ins Gesamtbild einbettet. Die Fugen wurden ausgemörtelt, wobei im Verhältnis 1:2 die Feldeinteilung für die elastischen Fugen vorgenommen wurde. Bei 1 m Mauerhöhe wurde so alle 2 m eine elastische Fuge mit einem Silicon-Dichtstoff eingeplant. Diese muss sich nicht nur über die Mauerfläche, sondern auch über die Abdeckplatte hinwegziehen.