Menarvis Landschaftsarchitektur Basel
Unsere Grünräume

Winteraspekte im Schlossgarten Heidegg

|   Garten- und Landschaftsarchitektur

Bekannt für seinen Rosengarten mit seinen hunderten von Zuchtsorten zieht Schloss Heidegg jedes Jahr von Mai bis September rosenbegeisterte Pilgerinnen an. Erst wenn die Blütenpracht erlischt, kehrt der Garten zur Ruhe. In der kalten Jahreszeit darf man seine stille Schönheit geniessen. Dem Gartenfreund bietet er eine Fülle bemerkenswerter Winteraspekte. Manche könnten in veränderter Form Einzug in unsere Gärten nehmen.

Bekannt für seinen Rosengarten mit seinen hunderten von Zuchtsorten zieht Schloss Heidegg jedes Jahr von Mai bis September rosenbegeisterte Pilgerinnen an. Erst wenn die Blütenpracht erlischt, kehrt der Garten zur Ruhe. In der kalten Jahreszeit darf man seine stille Schönheit geniessen. Dem Gartenfreund bietet er eine Fülle bemerkenswerter Winteraspekte. Manche könnten in veränderter Form Einzug in unsere Gärten nehmen.

Geographie und Geschichte

Schloss Heidegg – Wahrzeichen des Luzerner Seetales – thront seit dem 12. Jahrhundert auf einem Moränensporn. In seiner bewegten Vergangenheit war er sowohl Herrschaftssitz des gleichnamigen Rittergeschlechtes, als auch katholische Festung während der Reformationswirren. In der Neuzeit fungierte er als repräsentativer Landsitz arrivierter Stadtbürger. 

Weite Teile des Schlossgartens wurden um 1700 nach französischem Vorbild als barockes Gartenparterre angelegt und diente bis 1950 als Nutz- und Ziergarten. Auf Konrad Adenauers Anregung wurde er zu einem Rosengarten umgestaltet.

Der Garten und seine Strukturen

Wenn es blüht und wächst, wirken Gärten anziehend. Bei einer Vielzahl ist nicht die Gestaltung, sondern die Pracht einzelner Elemente, welche den Betrachter in seinen Bann zieht. Selten sind jene Anlagen, die sowohl in der warmen, wie auch in der kalten Jahreszeit zu faszinieren vermögen.

Der Schlossgarten Heidegg beeindruckt ebenso, wenn die Rosen nicht blühen. Ein bleibendes Gerüst bewusst eingesetzter Gestaltungselemente lassen ihn auch im Winter interessant erscheinen. 

Einfassungsmauern begrenzen die Anlage deutlich. Sie werden als niedrig gehaltene Stützmauern und freistehend als Sichtschutz eingesetzt, damit von aussen „khein Mann darüber sehen möge“. Der Garten wird zum geschützten Rückzugsort und zur grandiosen Aussichtsterrasse zugleich.

Die Thematik der Einfassung zieht sich wie ein roter Faden durch die Gestaltung hindurch. Buchshecken säumen das streng angelegte Wegesystem und übernehmen gleichzeitig die Umrandung der Pflanz-beete. Diese sind wiederum in sich eingeteilt. Querbänderungen aus Granit-platten und Rasenstreifen umgeben schmale Rosenrabatten. Die Querein-teilung der Pflanzbeete liegt im rechten Winkel zur dominanten Längslinie des Kieswegrasters und der Einfassungs-mauern. Eine von Auge nachgezeichnete Diagonale aus Eckpavillon, zentralem Springbrunnen und überdachtem Eingangs-portal durchkreuzt die Struktur aus Längs- und Querachsen.

Die Vertikalität

Der barocke Rosengarten betont die horizontale Ebene. Die vertikale Linie lässt sich ebenso auf Schritt und Tritt erkennen. Sie diente dazu, an der Erhabenheit der Schlossbewohner keine Zweifel auf-kommen zu lassen. Eindrücklich ist die Sicht vom Eckpavillon auf  den impo-santen Körper aus Kapelle, Lehenhaus, Schlossturm und Mammutbaum. Gekonnt haben die früheren Herrscher die Beschaffenheit des Moränensporns ge-nutzt, um architektonisch ihren Macht-anspruch zu unterstreichen.

Die Vertikalität findet sich im Paar aus Schlossturm und Sequoiadendron giganteum, wie auch im Gespann aus schmalem, hochgezogenem Torbogen mit steil aufsteigender Treppe oder im Duo aus erhöhter Schlosspforte mit angrenzenden, majestätischen Buchskegeln wieder.

Ästhetische Symbiose von Bauwerk und Pflanze

Im Winter, wenn die Pflanzen ihr Kleid abgeworfen haben, können Bauwerke unwirtlich und erdrückend wirken. Immergrüne Pflanzen leisten in dieser Jahreszeit einen unermesslichen Dienst. 

Im Schlossgarten Heidegg wurde Hedera helix grosszügig eingesetzt. Mit ihren heterogenen Blattformen, ihren Frucht-ständen und vielfältigen Schattierungen verwandeln sie berankte Wände zu anspruchsvollen „Bildern“. Äusserst raffiniert gestaltet ist der Höhensprung zur Kapelle. Wie ein Teppich überzieht der Efeu die hohe Stützmauer. Kombiniert mit den hängenden, rosafarbenen Trieben des Ramblers ‚Bobby James’ gehen Pflanze und Bauwerk eine reizvolle Symbiose ein. Entlang der Böschung brechen die Zweige der Rambler ‚Warm Welcome’ und ‚Heidekönigin’ die Kanten der massiven Mauerabdeckung. 

Weil sie ihr Gewand verlieren, werden sommergrüne Laubbäume im Winter als tot und langweilig verschmäht. Das Gegenteil ist der Fall. Ihr Habitus wird sichtbar. Die nackte Silhouette von Fagus sylvatica mit spielerischen Wuchsformen und feingliederigen Verästellungen ist erfrischend, lenkt ab und dämpft die Dominanz des mächtigen Schlossturmes.

Farben und Kontraste

In der kalten Jahreszeit, wenn die Tage sich mehrheitlich von ihrer eintönig grauen Seite zeigen, sind Farben und Kontraste willkommene Lichtblicke. Mit feinem gestalterischen Gespühr eingesetzt, verleihen sie einem Garten besonderen Reiz.

Die gelbschwarz bemalte, hölzerne Garten-türe mit rotbraunem Ziegeldach  an der Seitenlinie des Gartens, strahlt Wärme aus. Mit den Grüntönen immergrüner Gehölze entsteht ein stimmiges Ensemble.

Zierlicher sind die rotrosanen Triebe der Kletterose ‚Mme Sancy de Parabère’ vor dunkelgrauer Natursteinmauer. 

Kontraste in Hell und Dunkel verfehlen vorwiegend an grauen Wintertagen ihre Wirkung nicht. Beispielhaft zeigt sich dies mit dem dunkelgrünen, fast grünschwarzen Gewand von Buxus sempervirens ‚Rotundifolia’ und Sequioadendron giganteum vor weissem Verputz des Schlossturmes.

Gestaltungselemente der individuellen Art

Mit den Insignien des Familien-geschlechtes wurden früher Türen und Fenster ornamental geschmückt. Wappen in Form von Gemälden oder Skulpturen waren beliebte Gestaltungselemente. So verleiht das mit Relief handwerklich detailliert ausgearbeitete und bemalte Portal an der Ostflanke des Parterres dem Garten eine ganz persönlich Note.

Ebenso ausdrucksstark ist der kleine Springbrunnen. Umrandet von einem achtspitzigen Malteserkreuz aus Buchs, wird er zum Herzstück der Anlage und verbindet ästhetisch Längs- und Querachse.

In der Saison unter üppigem Laub versteckt, tritt das Gerippe der Rankhilfen erst im Winter hervor.

Entlang der Natursteinmauer wurde dezent ein einfaches Gerüst aus horizontalen und vertikalen Holzlatten eingesetzt.

Frecher präsentiert sich die Metall-konstruktion auf der Rückseite des Schlossturmes. Wie zu einem Iglu geformt, wird es im Sommer von Rosenblüten übersät sein.

Ein dicker Efeustamm, der sich an die Schlossmauer krallt, Fruchtstände von Hedera helix, die vor ergrautem Verputz reizvoll zur Geltung kommen, sind Perspektiven, die dem Garten einen ganz individuellen Charme einhauchen und Verbundenheit mit der Geschichte dieses Ortes schaffen.

Der Frühling naht

Schon bald wird Heidegg erneut in seinem prächtigsten Blütenkleid erwachen und den Besucher mit üppigen Farben und Düften verzaubern. Die geschilderten Aspekte werden verschwimmen und bis zum nächsten Winter an Lesbarkeit verlieren.