Menarvis Landschaftsarchitektur Basel
Unsere Grünräume

Mauerbau im Eiltempo

|   Technik im Gartenbau

Aus der Vielfalt an Mauertypen obliegt es dem Planer, die richtige Wahl zu treffen. Pro und Contras müssen für jedes Projekt aufs neue beurteilt werden.

Aus der Vielfalt an Mauertypen obliegt es dem Planer, die richtige Wahl zu treffen. Pro und Contras müssen für jedes Projekt aufs neue beurteilt werden.

Für die Sicherung des Geländes entlang eines Autobahnzubringers musste eine geeignete Lösung gefunden werden. Auf der Böschungskrete verlief das Eisenbahntrassee. Der Stabilität des Gewerkes galt deshalb ein besonderes Augenmerk. Die Ästhetik spielte eine untergeordnete Rolle. Der Zubringer stand kurz vor der Eröffnung und das Budget war knapp. Diesem Zeit- und Kostendruck musste Rechnung getragen werden – leider ein Dauerbrenner im Baugewerbe.

Ein spezielles Mauersystem…

TerraStone Plus ist ein Trockenmauer-system mit Erdbewehrung. Erdbewehrte Stützsysteme finden im Gartenbau wenig Anwendung. Im Tiefbau werden diese häufiger eingesetzt. So im Strassen- und Bahnbau als Stützwände oder zur Böschungssicherung. Im Wasserbau eignen sie sich als Schutzdämme und in Berggebieten werden sie sogar als Lawinenschutz genutzt. Solche Bauwerke können gewaltige Ausmasse annehmen. Oft sieht man diese an Orten, welche ohnehin mit grossen Baumaschinen einfach bedient werden können. Doch auch für Projekte mit erschwerter Zugänglichkeit erfüllen sie ihren Zweck vortrefflich. Ein interessanter Aspekt für den Gartenbau.

…mit besonderen Eigenschaften

Das beschriebene Mauersystem besteht aus verschiedenen Einzelkomponenten. Frontgitter, Kunststoffgewebe und Vlies sowie Schotter und Kies lassen sich gut separat von Hand und mit Karrette verschieben. Dies ist ein wichtiges Kriterium für den Mauerbau in urbanen Gebieten mit beengten Verhältnissen. Wenn die Zugangsmöglichkeiten zum Bauplatz einen Maschineneinsatz verunmöglichen, darf eine Mauer nicht aus schweren Betonelementen oder Natursteinblöcken geplant werden. Dafür ist ihr Eigengewicht zu hoch. Hier erweist sich TerraStone Plus mit seinen leichten Einzelteilen als geeignete Alternative.

Bei maschinellen Einbaumöglichkeiten zeigt sich die grosse Wirtschaftlichkeit dieses Mauertyps. Die benutzer-freundlichen Systemkomponenten ermöglichen eine effiziente Realisierung und beschleunigen den Baufortschritt signifikant. Weil nur für die sichtbare Front wertvoller Schotter geschüttet wird, für den unsichtbaren, hinteren Teil der Mauer kiesiges Füllmaterial zum Einsatz kommt und die Mauer maschinell verfüllt werden kann, reduzieren sich die Material- und Lohnkosten beträchtlich.

Dieses Trockenmauerwerk erlaubt Gestaltungsmöglichkeiten mit Ecken, Kurven und Abtreppungen. Der Mauertyp bietet auch die Freiheit grosse Höhen zu überwinden und ist ebenso ökologisch wie unterhaltsarm.

Auf die Plätze – fertig - los

Beim vorliegenden Projekt war der Untergrund gut tragfähig. Deshalb genügte ein Kieskoffer mit einer Schichtstärke von 30 cm. Die Fundationsschicht wurde mit schwerem Gerät verdichtet. Um die Frontgitter korrekt positionieren zu können, erstellte die Gartenbaufirma auf einer Einbaubreite von 1 m eine horizontale Planie. Darauf versetzte die Equippe die metallenen Gitterelemente im Nu – zu zweit und von Hand. Jedes dieser Elemente war im Winkel von 80° geneigt, hatte eine Länge von 6 m und eine Höhe von 50 cm. 

Als nächstes rollten die Fachmänner die Erdbewehrung auf der ebenen Planie aus und schnitten diese auf die benötigte Tiefe zu. Sobald das Geogitter faltenfrei lag, konnte es mittels Krampen befestigt werden. Es fehlten nur noch die Distanzhalter zwischen Frontgitter und Fuss. Sie wurden im Abstand von 60 cm verlegt und dienten der zusätzlichen Stabilität des Elementes. 

Mit dem Radlader schüttete der Maschinist Schotter der Korngruppe 40/80 mm hinter die Frontgitter. Mit einer einfachen Schalung liess sich das schichtweise eingebaute Schüttmaterial auf 0.60 m3/m2 eingrenzen. Mehr brauchte es nicht. Ein Kräuel half, die gebrochenen Steine besser zu verteilen und miteinander zu verzahnen. Anschliessend rüttelte der Gärtner den Schotter mit leichter Vibroplatte ab und klappte das eingelegte Vlies nach vorne.

Jetzt konnte die erste Etage des Stützsystems mit Wandkies hinterfüllt werden. Verdichtet wurde maschinell, in Schichten von 25-30 cm, bis zum Erreichen eines ME-Wertes von ≥ 30 MN/m2. Darauf erstellte die Bauequippe erneut eine Kiesplanie. Somit war die erste Mauerlage fertig erstellt. Die zweite konnte nach dem gleichem Schema aufgebaut werden. Zum Schluss musste das Deckelelement am Frontgitter mittels Metallspirale befestigt werden. Eine Entwässerung war wegen durchlässigem Boden und geringer Böschungshöhe nicht erforderlich.

Nach 7 Arbeitstagen stand eine 85 m lange Mauer mit einer Ansichtfläche von 75 m2. Einfache Systemkomponenten und der Einsatz grosser Baumaschinen erhöhten die Produktivität markant.

 

Gleitkreis und Erdbewehrung

Massgebend für die Stabilität von Geländesprüngen sind neben der Böschungsneigung und –höhe auch die Scherfestigkeit des Bodens und angreifende äussere Kräfte, vor allem Wasserdruck. Eine Böschung versagt, wenn sich in ihrem Inneren eine Gleitfläche bildet, auf welcher der Scherwiderstand des Bodens überschritten wird. Der darüberliegende Erdkörper bildet dann einen Gleitkörper, der entlang der Gleitfläche abrutscht. Gleitflächen sind Schwächezonen, wie beispielsweise, weiche, tonige Lagen oder wasserstauende Schichten. Da beim Abrutschen einer Böschung oft kreisbogenförmige Rutschflächen entstehen, spricht man auch vom Gleitkreis. 

Charakteristisch für erdbewehrte Stützsysteme ist ihre Rückverankerung. Ein tief in das Gelände eingebautes Geogitter bremst das Abgleiten von Bodenschichten und wirkt der Erosion entgegen. Das bricht den Gleitkreis, respektive den Hangdruck.

Hangentwässerung und schichtweise Armierung der Hinterfüllung sind deshalb zentrale bautechnische Massnahmen für stabile Mauern.