Das jährliche, traditionelle Fachseminar zur Sportrasenpflege fand rund um die Swisspor Arena in der Luzerner Allmend statt. Die Tagung bot nicht nur eine optimale Plattform, um neueste Lösungsansätze in der Sportrasenpflege kennenzulernen; bei schönstem Wetter am Fuss des Pilatus regte sie auch zum Austausch unter Berufskollegen an.
Otto Hauenstein Samen AG aus Rafz als Veranstalter des Sportrasenseminars wurde von Trüb für Grün AG und Matra AG als führende Firmen in der Sportplatzpflege begleitet. Die Tagung gliederte sich in einen theoretischen Teil am Morgen und einen praktischen Postenparcours am Nachmittag. Die Führung in der eindrücklichen Swisspor Arena mit Blick auf den Luzerner Hausberg war krönender Abschluss.
Sanierungsmöglichkeiten im Sportplatzbau
Stephan Beerli, Leiter Rasen & Begrünung bei OHS eröffnete die gut besuchte Tagung mit einem speziellen Dank an die Stadt Luzern für das Gastrecht. Sie wurde durch Martin Stadelmann, Leiter Aussensportanlagen vertreten, der die Sportplätze in der Luzerner Allmend in wenigen Worten vorstellte.
Martin Rinderknecht, Abteilungsleiter Sportrasen bei Trüb für Grün AG gab einen Überblick über Sanierungsmöglichkeiten im Sportplatzbau. Vor jeder Rasensanierung sei es ratsam, im Rahmen einer Voranalyse, Grundlagen zu beschaffen. Angaben zu den örtlichen Gegebenheiten, zu Nutzungsart und -intensität dürfen nicht vernachlässigt werden. Baugrunduntersuchungen bis zu einer Tiefe von 1.50 m liefern wertvolle Angaben über Bodenart, Dicke der Bodenschichten, über Grund-, Hang-, und Schichtenwasser, aber auch über die Wasserdurchlässigkeit des Bodens. „Diese Informationen sind wichtig für die Wahl der richtigen Sanierungsmassnahmen“, betonte Rinderknecht.
Bei Sportplätzen mit fehlendem Drainagesystem können Saugerleitungen im Nachhinein eingefräst werden. Die mit geeignetem Sickermaterial verfüllten Gräben lassen das Wasser wieder optimal vom Rasen abfliessen. Der Referent wies darauf hin, dass sich ein Rasenplatz jedes Jahr um 5 mm aufbaue. „Oft sind die quer zu den Saugerleitungen liegenden Sickerschlitze nach rund 20 Jahren bis zu 10 cm überwachsen. Um eine Verbindung zu den Saugerleitungen wieder herzustellen, müssen die Sickerschlitze neu gezogen werden und mit Rundkies 4/8 mm und Lavater verfüllt werden“, erklärt Rinderknecht. Bei starker Verdichtung der Rasentragschicht helfe der Groundbreaker. „Diese Maschine spaltet den Boden quer zu den Sickerschlitzen auf und stellt zu diesen wieder eine Verbindung her“, meint der Experte. Die mit Sand verfüllten Drain-Air Schlitze stellten eine kostengünstige Sanierungsmassnahme dar, mit welcher der Platz schnell wieder bespielbar sei.
Um hatte Sanierungsmassnahmen möglichst weit in die Zukunft hinauszuschieben, ist ein konsequenter Unterhalt ein Muss. Beispielsweise lasse sich mit 4 bis 6-maligem, jährlichem Striegeln und Neuansäen das Aufkommen der unliebsamen Poa annua stark reduzieren, ebenso der Wurmausstoss und der Schneeschimmel. Das Striegeln ist einer der ersten Pflegegänge ab März und mit dem Vertikutieren vergleichbar; nur ist der Eingriff sanfter und produktiver. Bei nassem Frühlingswetter helfe das Top Dressing den Sportplatz in den Sommer zu retten. Dabei werde eine 2 mm starke Schicht kalkarmer Sand ausgebracht. „Sanden ist die Grundlage für jede Regenerationsmassnahme. Auch beim Aerifizieren ist das der erste Arbeitsgang“, betont Rinderknecht. Mit dem Striegelgerät oder dem Schleppnetz werden die ausgestochenen Spoons zerrieben und mit dem verteilten Sand wieder in die Hohlräume verfüllt. So entstünden gute Voraussetzungen für eine Nachsaat. Der kalkarme Sand verhindere dabei nicht den Abfluss von Wasser durch die Bildung von Kalk – ähnlich wie beim Wasserhahn. „Mit den aufgezeigten Pflege- und Sanierungsmassnahmen beträgt die Lebensdauer eines Platzes etwa 35 Jahre“, weiss der Sportplatzprofi.
Erfahrungen eines Rasenberaters
Dipl. Ing agr. Hartmut Schneider brachte in seinem interessanten Vortrag mit dem Titel „Komplettsanierung ab Drainage“ seine Erfahrungen gleich von Anfang an auf den Punkt: „Sportplatzsanierung ist wie Mathematik. Alles was nicht ganz richtig ist, ist falsch!“ Er wies darauf hin, dass DIN-Normen zwar keine Rechtsnormen seien, sondern private, technische Regelungen mit Empfehlungscharakter, welche die aktuellen Regeln der Technik wiedergeben sollten. „Auch wenn die DIN 18035 im Sportplatzbau nicht der Weisheit letzter Schluss ist, rate ich, diese anzuwenden, denn wer sich nicht an das Regelwerk halte, bei dem liegt im Schadenfall die Beweislast“, mahnt Schneider. Er erinnerte auch an die Wichtigkeit einer frühzeitigen Bauabnahme. Nach der Abnahme müsse nämlich der Auftraggeber beweisen, dass der Auftragnehmer etwas falsch gebaut hat, vorher verhalte es sich umgekehrt. Eindrücklich zählte er auf, welche enormen Anforderungen an Rasenspielfelder gelten: „Eine hohe Wasserdurchlässigkeit, optimale Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit der Tragschicht, dichte Nutzungsfrequenz, gute Bespielbarkeit, beste Wachstumsbedingungen für Rasengräser und geringe Bau- und Pflegekosten sind Wünsche des Bauherrn, die nicht kompromisslos realisierbar sind, aber aufzeigen, welches Spezialwissen die ausführende Firma an den Tag legen muss.“ Und immer wieder testete er mit elementaren Fragen sein Publikum, bestehend aus vielen Platzwarten, Beamten aus Bauämtern und Verantwortlichen von Fussballclubs. „Wer kennt die Kornverteilungskurve seiner Rasentragschicht? Wer weiss, welchen pH-Wert sein Platz hat? Wie sehen die Sandkörner aus, die Sie ausbringen, rund, kantig, glatt?“ Schweigsames Achselzucken veranlasste den Referenten zur berechtigten Bemerkung, wie denn die richtigen Pflegemassnahmen ausgeführt werden könnten, wenn dieses Wissen fehle. Die zu oft gehörte Antwort, „weil wir es immer so gemacht haben“ dürfe im Sportplatzbau keine Berechtigung haben!
In seinem Vortrag berichtete Hartmut Schneider über zwei Sportplatz-Bauweisen, wobei er auf die DIN 18035 und die ÖNORM B 2606 verwies. Für die «Bodennahe Bauweise», bei welcher die Tragschicht in unmittelbarem Verhältnis zum Untergrund steht, entscheidet man sich wenn der Baugrund eine genügende Tragfähigkeit aufweist, er ausreichend wasserdurchlässig und bearbeitbar ist. Bei der «Drainschicht Bauweise» entkoppelt eine vollflächige Sickerlage die beiden erwähnten Ebenen voneinander. Sie wird bei wenig standfestem Baugrund mit hohem Grundwasserstand angewendet aber auch an Lagen mit felsigem Boden oder hohen Niederschlagsmengen.
Zum Schluss gab Schneider eine Zusammenfassung über die möglichen Problembereiche der verschiedenen Horizonte eines Sportplatzes. Beim Baugrund sei dies der Abstand zum Grundwasserspiegel. Dieser sollte mindestens 60 cm betragen. „Bei den Drainagen entstehen Schwierigkeiten bei zu flachen Gräben oder wenn die Saugerleitungen direkt im bindigem Boden stehen oder falsches Füllmaterial gewählt wurde. Sogar bei der Drainschicht kann es Probleme geben. Wenn die Körnungslinien der Drain- und Tragschicht nicht zueinander passen, kann es zu einem Porenbruch kommen. Die aus verschiedenen Partikeln entstandene Kolmationsschicht lässt dann kein Wasser durch. Deshalb ist es für die Pflege so wichtig, die Körnungslinie zu kennen“, mahnte Schneider. Die Gerüstbaustoffe der Rasentragschicht bestünden aus Oberboden, Sand und Lava. Ihre richtige Kombination und Wahl mache die Qualität der Rasentragschicht aus. „Runde Sande verzahnen sich nicht. Der Boden wird weich. Für eine gute Scherfestigkeit sollte man kantige Sande wählen“, erklärte der Berater. An der Rasenoberfläche hätten Poa annua und Poa trivialis einen negativen Einfluss sowohl auf die Rutschfestigkeit des Fussballers wie auch auf das Ballverhalten. „Für einen strapazierfähigen Rasen eignen sich Lolium perenne und Poa pratensis. Wenn noch die Drittel-Regel beachtet wird, wonach bei einer Schnitthöhe von 30 mm der Rasen höchstens auf 45 mm wachsen darf, und das Gras mit scharfem Messer geschnitten wird, steht einem genussvollen Fussballspiel nichts mehr im Weg“, schloss Hartmut Schneider.