In der Vergangenheit wurden sie in Massen verwendet. Ein Universalmaterial – so schien es – das sich beliebig und gefahrlos einsetzen liess. Als Treppen-anlagen, Beeteinfassungen, als Sichtschutz oder als Mauern hielten sie Einzug in unsere Gärten, Parkanlagen und Spiel-plätze. Nach Jahrzehnten praktischer Dienste nähern sich diese Bauwerke aus teerölhaltigen Bahnschwellen dem Ende ihres Lebenszyklusses. Ihr Ersatz drängt sich auf. Die Erfahrungen und Erlebnisse mit solchen Projekten können unterschiedlicher nicht sein. Tauchen wir ein in eine dieser Geschichten!
Die Evaluation
Für den Ersatz einer Bahnschwellenmauer verfügt eine Gartenbaufirma über verschiedene Möglichkeiten. Im Vorder-grund steht für den Kunden aber in den meisten Fällen eine kostengünstige Variante mit einfacher Bauweise. Im vorliegenden Projekt hatte der erfahrene Bauherr seine Evaluation bereits vorgenommen und war sich bloss noch unsicher, ob eine Schwergewichtsmauer mit Granitblöcken oder eine mit Steinkörben preiswerter wäre.
Zu den Kosten
Regional können Preise stark schwanken. Als ungefähre Angaben sollen die folgenden Richtpreise dem Gärtner in der Beratung und Erarbeitung eines maschinell gut zugänglichen Vorhabens eine Stütze sein.
So lassen sich die Gesamtkosten für den Ersatz einer Bahnschwellenmauer mit Steinkörben auf etwa 1'000.--/m2 beziffern. Davon verschlingt das Liefern und Versetzen der Mauerelemente zirka 40-50% des Endpreises. Dazu ein paar Beispiele: Eine Mauer aus allseitig gerichtetem Polengranit lässt sich für ungefähr 475.--/m2 erbauen. Bei einer Mauer aus fünfzig Zentimetern breiten, im Steinbruch vorgefertigten, geschütteten und verdichteten Steinkörben variieren die Quadratmeterpreise je nach Füllmaterial stark. In der Nordwestschweiz bewegt sich eine Steinkorbmauer mit Jurakalkschroppen bei 385.--/m2, mit Schwarzwaldgranit bei 430.--/m2 und mit Tessinergranit bei 515.--/m2.
Interessanterweise sind die Materialkosten zwischen einer Mauer aus Polengranit und einer aus Steinkörben mit Jurakalk-schroppen ähnlich. Die Minderkosten entstehen dadurch, dass die Steinkörbe geordnet auf der Ladefläche angeliefert werden und zügig versetzt werden können. Bei Natursteinquadern fallen erhebliche zusätzliche Nebenarbeiten wie Auswahl, Ausrichten, Behauen, etc. an.
Der Abbruch
Grosses Überraschungspotential verbirgt sich oft in den Abbrucharbeiten. Geplant war, die Mauer gemeinsam mit seinem Unterbau vollständig abzubrechen. Doch die Bahnschwellen waren nach annähernd drei Jahrzehnten derart durchgefault, dass sie an der Schnittstelle zum Betonsockel brachen. Das massive Fundament liess sich mit einem herkömmlichen Kompressor nicht in vernünftiger Zeitspanne abspitzen. Mittels eines Baggers mit Abbauhammer konnten die oberen zwanzig Zentimeter in etwas mehr als einem halben Tag abgetragen und die einbetonierten siebzig Zentimeter der Bahnschwellen mit Kette, Haken und der Zugkraft des Baggers aus der Umklammerung des Fundamentes entrissen werden.
Neu auf alt
Den alten Sockel machten wir uns zunutze, indem wir ihn als Grundlage für das neue Fundament brauchten. Nachdem die aufgerauhte Oberfläche nass gereinigt war, konnte sich der eingebrachte Beton mit dem bestehenden Unterbau bestens verbinden. Gleichzeitig bauten wir ein Gefälle von 5% ein, um später die Mauer mit Anzug hochzuziehen. Eine gute Verdichtung und Stabilität des Fundamentes – insbesondere in den Zwischenräumen, in denen einst die Bahnschwellen standen – wurde durch intensives Einvibrieren des Betons CEM 300 kg/m3 mit dem Nadelvibrator erreicht.
Der Mauerbau
Das bestehende Gelände hatte Zeit, sich in den letzten dreissig Jahren zu setzen. Des weiteren liegt hinter den Auffüllungen die Tiefgarage versteckt. Es war demnach mit wenig Hangdruck zu rechnen, was uns erlaubte die teilweise bis zu 2.50 Meter hohe Mauer mit 50 Zentimeter tiefen Steinkörben zu erstellen. Wären die topographischen Verhältnisse weniger vorteilhaft gewesen, hätte eine mindestens 100 Zentimeter tiefe Mauerbasis eingesetzt werden müssen.
Was folgt, war der angenehme Teil der Arbeiten. Die mit dem LKW und Tieflader angelieferten Steinkörbe, liessen sich mit dem angebauten Kran schnell und elegant abladen und versetzen. Pro Steinkorb genügen durchnschnittlich 10 Minuten Arbeitszeit à 2 Mann und bedientem LKW-Kran; diese Angaben gelten nur, falls der Arbeitsplatz im Schwenkbereich der Maschine liegt.
Die Entwässerung - als zentrales Thema im Mauerbau – lösten wir mit einer 50 Zentimeter tiefen Packung aus Sickerbeton CEM 200 kg/m3, Körnung 16/32 mm. Sie wurde aus Gründen der zusätzlichen Stabilität bis auf die halbe Höhe der Mauer hinaufgezogen.
Die nächste „Bahnschwellenmauergeschichte“ wird kaum lange auf sich warten lassen. Auch diese wird von jedem Beteiligten eine individuelle Problemlösung fordern.
Zur Erinnerung
Bahnschwellen aus Holz wurden zum Schutz von Verrottung und Schädlingsbefall mit Teerölen druckimpregniert. Teeröle bestehen zu einem grossen Teil aus polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). PAK sind schwer abbaubar und reichern sich in Lebewesen an. Lassen sich im Holzschutzmittel pro Kilogramm mehr als 30 Gramm wasserlösliche Phenole und mehr als 0.05 Gramm Benzo(a)pyren nachweisen, gelten die Bahnschwellen als schadstoffreich. Gewisse Komponenten der Teeröle finden sich auch an der Oberfläche der Bahnschwellen. Bei häufigem Hautkontakt ist ein erhöhtes Krebsrisiko nicht auszuschliessen. Etwa 10 Kilogramm von den ursprünglichen 15 Kilogramm Teeröl sind nach 25 Jahren immer noch vorhanden. Die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (Chem-RRV) ver-bietet seit dem 01. Oktober 2001 die Abgabe und Verwendung von teerölimpregnierten Bahn-schwellen im Siedlungsgebiet. Teerölimpregnierte Bahnschwellen sind Sondermüll und dürfen nur in Kehrichtverbrennungsanlagen und Spezialfeue-rungen mit Rauchgasreinigung verbrannt werden.
[Literaturhinweis: Merkblatt Bahnschwellen, Amt für Umweltschutz und Energie, Kanton Basel-Landschaft und Kantonales Labor Zürich]